"KURIER"-Kommentar von Michael Hufnagl: "Schuld und Bühne"

Wenn die Suche nach den Sündenböcken zum Teil des Programms wird.

Wien (OTS) - Eine Übersicht der aktuellen Schuld-Liste: Derzeit schuld sind Lehrer, Eltern, Claudia Schmied, Fritz Neugebauer, Ärzte, Patienten, Sozialpartner, SPÖ, ÖVP und natürlich die Medien. Das Tolle an der Schuld ist, dass sie subjektiv ist, jeden Nicht-mit-mir-Reflex legitimiert, und sogar vererbt werden kann. Am allermeisten schuld ist das System (welches auch immer) und in Folge die EU. Da halten wir uns nicht mit Details auf, sondern zitieren Eisenhower: "Die Suche nach den Sündenböcken ist von allen Jagdarten die einfachste."
Ein Leben lang sind wir damit beschäftigt, Schuld und Schuldige zu suchen. Selten werden wir fündig. Wer jedoch für den anderen Blickwinkel einen Schritt zurückgeht, erkennt: Alles nur Ablenkung. Vortäuschung als Rezept gegen Enttäuschung. Bei der FPÖ etwa ist die Schuld Teil des Parteiprogramms. Daher muss es eine eigene Abteilung geben, in der Schuld-Gags ausgetüftelt werden - Arbeitsgruppe "Schuld und Bühne".
Da kommt nach dem Sündenbockspringen zwar kaum mehr heraus als Straches "Sie schicken den Bundesadler zum Rupfen nach Brüssel, wo er als Suppenhuhn endet", aber für die Einzementierung der Schuld reicht es.
Herrje, ich zeige gerade mit dem Finger! Was soll’s, das bin ich mir schuldig.

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