Industrie: Migration braucht Innovation

IV-Präsident Sorger: Wechsel vom Quoten- zum kriteriengeleiteten Zuwanderungssystem - "Migration Mirror" zeigt Verbesserungspotenzial

Wien (OTS) - (PdI)"Österreich braucht aus wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gründen qualifizierte Zuwanderung. Wir können nicht länger zusehen, wie qualifizierte Fachkräfte an unserem Land vorüberziehen und der Zuzug in weiten Teilen aus weniger qualifizierten Personen besteht. Immigration brauchen wir aber auch, um die Bevölkerungszahl und insbesondere die Zahl der Erwerbstätigen einigermaßen stabil zu halten", betont der Präsident der Industriellenvereinigung (IV) Dr. Veit Sorger bei der Präsentation der Unternehmensplattform "Migrascope" und des Befragungstools "Migration Mirror". Die Bevölkerungsprognosen der Statistik Austria rechnen mit einer Nettozuwanderung von 25.000 bis 40.000 Personen pro Jahr, um dieses Ziel zu erreichen.

Österreich, als hoch entwickeltes Industrieland, leidet bereits seit Monaten unter einem Mangel an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Mehr als 60% der Unternehmen haben Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. In der Zukunft wird sich dieses Phänomen angesichts niedriger Geburtenraten verstärken. Um diesen Mangel zu begegnen, braucht es ein Set von Maßnahmen: eine Reform der Schul- und Lehrlingsausbildung, mehr Absolventen und vor allem Absolventinnen in naturwissenschaftlich-technischen Studienrichtungen, Frauenförderung und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Trotz all dieser Maßnahmen, die von der Industrie unterstützt werden, braucht Österreich auch qualifizierte Zuwanderung.

Ein erster wichtiger Schritt einer Ziel führenden Migrations- und Integrationspolitik sei Bundesminister Günther Platter mit der Einrichtung der "Plattform für Integration und Sicherheit" und dem Integrationsbericht gelungen. IV-Präsident Sorger: "Die Industriellenvereinigung begrüßt diesen Bericht, weil er die wesentlichen Stellschrauben einer gelungenen Integration anspricht." Das sei zum einen die Förderung der sprachlichen Fähigkeiten, insbesondere der Deutschkenntnisse von Menschen mit Migrationshintergrund. Dazu komme die Forderung nach einem möglichst frühzeitigen Zugang zum Bildungssystem als Voraussetzung für Chancengleichheit von Migrantinnen und Migranten. Erwerbstätigkeit und berufliche Aufstiegsmöglichkeiten gehören ebenfalls zu den grundlegenden Integrationsfaktoren.

Die Industriellenvereinigung unterstützte diesen Bericht und wird an seiner Umsetzung mitarbeiten. Allerdings fehlen in der Diskussion um Migration und Integration wesentliche Elemente, die nun wieder thematisiert werden sollen: So soll laut IV über einen Wechsel vom Quotensystem auf ein transparentes, kriteriengeleitetes Zuwanderungssystem nachgedacht werden. Sorger: "Ein künftiges Migrationsmodell muss es ermöglichen, dass Personen, die nach Österreich einwandern wollen, rasch und einfach Aufenthalt und Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten - auf Basis klarer Kriterien und unabhängig von Quoten." Im Moment sei nicht einmal eine Diskussion darüber möglich.

Es sei der IV zudem ein wichtiges Anliegen, dass die Nahtstellen der Themen Integration, Migration und Asyl beachtet werden. "Zuwanderung braucht Innovation. Nur wenn heute ein umfassendes Konzept für qualifizierte Zuwanderung erstellt und umgehend an den entsprechenden Zielen gearbeitet wird, stehen wir morgen nicht vor dem Problem weiterer zahlreicher nicht integrierter Menschen mit Migrationshintergrund." so Präsident Sorger. Auch eine Debatte über eine Beschäftigungsbewilligung für Asylwerbende hält die IV für sinnvoll.

Unternehmensplattform Migrascope gegründet - "Migration Mirror" beurteilt Lage der Migrantinnen und Migranten in Österreich

Um die Situation der Migrantinnen und Migranten in Österreich zu analysieren und zu thematisieren, hat die IV das Positionspapier "Gemeinsame Lebensräume schaffen" erarbeitet und im Jänner 2008 die Unternehmensplattform "Migrascope" ins Leben gerufen: International orientierte, österreichische Leitbetriebe beleuchten die Lage und Praxis von Migration und Integration. Als eine ihrer Aktivitäten hat "Migrascope" den "Migration Mirror" eingerichtet, bei dem 50 Unternehmensvertreter und Experten halbjährlich ihre Einschätzung hinsichtlich der Lage von Migration und Integration in Österreich geben. Die wichtigsten Ergebnisse des "Migration Mirrors" vom April 2008 werden von Univ.-Prof. Dr. Christian Friesl, Bereichsleiter Gesellschaftspolitik präsentiert.

Im Migration Mirror wird klar, dass Österreich gute Chancen hat, im Wettbewerb um die besten Köpfe zu bestehen, weil es als attraktiver Wirtschafts- und Lebensstandort wahrgenommen wird. Um dieses Bild für qualifizierte Zuwanderung zu nutzen, braucht es Innovation und Aktivität:

  • Neun von zehn Befragten meinen, dass es mehr Zuwanderung von qualifizierten Personen, ein klares und transparentes Zuwanderungssystem und die Einrichtung eines "One-Stop-Shop" für Aufenthalts- und Beschäftigungsbewilligungen braucht. Vier Fünftel sehen einen erleichterten Zugang zum Arbeitsmarkt als ein Schlüsselkriterium erfolgreicher Zuwanderungspolitik.
  • Auch in Integrationsfragen ortet der Migration Mirror Verbesserungsbedarf: Annähernd alle Befragten schlagen mehr Investitionen in die sprachliche Förderung von Migranten vor, drei Viertel sehen einen verbesserten Zugang zur Bildung und Qualifizierung als notwendig an. Ebenso viele meinen, dass Migrantinnen und Migranten zu wenige Möglichkeiten haben, am Gesellschaftsleben teilzuhaben.
  • Ebenso sind annähernd alle der Befragten (97%) der Ansicht, dass in Österreich zu wenig Bewusstsein für die Vorteile von Zuwanderung zu finden ist.

Christian Friesl dazu: "Migration und Integration sind politisch heikle Themen. Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche und zukunftsweisende Migrations- und Integrationspolitik ist daher eine sachliche und von parteipolitischer Polemik befreite Bewusstseinsbildung. Sie ist Fundament gelebten Respekts vor anderen und bereitet den Boden für eine konstruktive Dialog- und Konfliktkultur."

Posch: Fachkräftemangel als größter Hemmschuh für mehr Wachstum und Beschäftigung

Mag. Markus Posch spricht für die IV ein spezifisches Problem des Themas Migration und Integration an: Der Vorstand für Personal und Innovation bei Philips Austria betont das Fehlen qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als gegenwärtig größten Hemmschuh für mehr Wachstum und Beschäftigung in Österreich. Als Leiter einer IV-Fokusgruppe legte er im Dezember 2007 das Aktionspapier "Menschen schaffen Zukunft" vor, das das Thema Nachwuchssicherung in Naturwissenschaft und Technik thematisiert. "Forschung und Innovation, zwei Bereiche die in besonderem Maße von kreativen, motivierten und hochqualifizierten Köpfen abhängig sind, leiden dabei seit Längerem unter massiven Rekrutierungsproblemen. Die Dringlichkeit der Lösung dieser Problematik nimmt dabei dramatisch zu" so Posch.

Im Auftrag der IV wurde in einer Studie der Arbeitsmarkt für Hochqualifizierte in Naturwissenschaften und Technik (NT) analysiert, was dramatische Ergebnisse zeigt: So hat der betriebliche Bedarf an NT-Absolventinnen und Absolventen in den letzten Jahren stark zugenommen, bei diesen ergeben sich jedoch gegenwärtig auch die häufigsten Probleme bei der Rekrutierung. Der Mangel werde noch zunehmen, so Posch: "Ab 2010 ergibt sich eine jährliche Lücke von 1000 Graduierten in den 15 meistgesuchten Studienrichtungen."

Der wachsende Bedarf an hochqualifizierten Personen sei ein europäisches Thema, damit wachse auch der Wettbewerb um die besten Köpfe. Dabei werden nur jene Innovationsstandorte bestehen können, die über die besten Strategien zur Nachwuchssicherung verfügen. Die IV hält in diesem Zusammenhang mindestens zwei Maßnahmen für notwendig:

  • Zum einen eine optimale Nachwuchssicherung von "innen" - durch die Ausbildung einer ausreichenden Zahl an hochqualifizierten Absolventen, wobei besonderes Augenmerk auf die Einbeziehung von Frauen in die Welt von NT gelegt werden muss.
  • Gleichzeitig muss Österreich seine Attraktivität nach "außen" ausbauen, hier ist laut Posch wieder die Migrationspolitik gefordert: "Die österreichische Migrationspolitik muss von einem offensiven Werben um ausländische Hochqualifizierte bestimmt sein."

Es sind aktiv Maßnahmen zu ergreifen, die es weltweit umworbenen Talenten erst ermöglichen, gerade den heimischen Standort auf dem globalen Innovationsatlas wahrzunehmen, und die sie motivieren, sich für eine Tätigkeit in Österreich zu entscheiden.

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