Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch: "Schule: Da capo"

Ausgabe vom 10. April 2008

Wien (OTS) - Und schon wieder ein Schul-Papier von Beratern der Unterrichtsministerin. Und wieder wurde darin manches Richtige, manches Falsche und viel Halbvergorenes produziert.

Richtig ist etwa das Ziel, das Lehrer-Dienstrecht zu vereinheitlichen - wobei freilich die Vereinheitlichung genauso auf Landesebene wie auf Bundesebene erfolgen könnte. Mehr als richtig ist auch der Ruf nach einem Ende der Pragmatisierung - wobei freilich die Erfahrung zeigt, dass "Ende der Pragmatisierung" im öffentlichen Dienst noch lange nicht heißt, dass sich etwa unfähige Lehrer wirklich einen anderen Job suchen müssen (wie es anderen Berufen durchaus passiert).

Klug ist auch, dass die Direktoren bei der Lehrerauswahl freie Hand bekommen sollen. Umso notwendiger wäre aber auch im Gegenzug eine völlige Neuordnung der Bestellung der Direktoren. Diese könnte wohl am besten durch ein Wahlrecht für Lehrer und Eltern unter allen Kandidaten, welche die nötigen Qualifikationen haben, demokratisiert und pluralisiert werden: Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeigt etwa in Wien eine massive Einfärbung der Direktorenposten durch den Stadtschulrat. Was immer mehr Eltern zur Flucht in teure Privatschulen veranlasst.

Eine gute Reformidee ist auch die geforderte Selektion künftiger Lehrer schon am Beginn des Studiums. Das verstärkt freilich zugleich den Ruf nach mehr Selektion auch am Beginn aller anderen Studien -und ebenso den Ruf nach einer objektiven Auswahl der Schulkinder beim Wechsel in eine andere Schulstufe, etwa mit 10 und 14 Jahren.

Insgesamt freilich ist das Papier, abgesehen von vielen schwulstigen und inhaltsarmen Vokabeln eines altbekannten Expertenslangs, vor allem eines: ein netter Versuch, wieder einmal die Gesamtschule zu propagieren. Also das genaue Gegenteil von dem, was immer mehr Menschen als wirkliche Notwendigkeit für ein zukunftsfähiges Schulsystem erkennen: Mehr Differenzierung, mehr Individualisierung, mehr Leistung, aber auch mehr Transparenz und Vergleichbarkeit dessen, was jede einzelne Schule wirklich leistet.

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