WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Null-Toleranz-Politik bei Korruption - von Wolfgang Unterhuber

Im Zweifelsfall muss man auch auf einen Deal verzichten

Wien (OTS) - Korruption gehört in vielen Ländern zum geschäftlichen Alltag. Dass österreichische Unternehmen, die nach Osteuropa und Asien expandieren, damit konfrontiert wurden - und nach wie vor konfrontiert werden -, steht außer Frage. Reden will natürlich niemand gerne darüber. Denn wer will schon in den Verdacht geraten, mit faulen Tricks zu arbeiten?

Kann man aber in Ländern wie beispielsweise Russland, China, Rumänien, Bulgarien oder in den kaukasischen Staaten überhaupt Geschäfte ohne Bestechung machen? Und lässt sich die organisierte Kriminalität umgehen, die bekanntlich in Form "netter" Herren erscheint, die einem anbieten, den Betrieb zu überwachen, damit dort nichts passiert? Siemens-Österreich-Chefin Brigitte Ederer ist im WirtschaftsBlatt-Interview der Meinung: Ja, es ist möglich (siehe Seite 2). Vor allem dann, wenn ein Unternehmen von Haus aus klarstellt, dass es gegenüber dunklen Machenschaften null Toleranz walten lässt. Auch Ost-Profi Alexander Maculan, einer der wenigen, die offen über ihre Erfahrungen mit der organisierten Kriminalität in Osteuropa sprechen, sagt, dass man noch vor dem Markteintritt in ein korruptionsgefährdetes Land ein klares Bekenntnis gegen jegliche krumme Geschäftspolitik abgeben soll.

No na, möchte man meinen. Doch viele internationale Konzerne machen das nicht, kritisiert die Organisation "Transparency International". Diese Konzerne dürften sich dann auch nicht wundern, wenn an sie unmoralische Angebote herangetragen würden. Und wer einmal im Sumpf steckt, der kommt dann auch nur wieder sehr schlecht heraus.
Alle Experten sind sich einig, dass der beste Weg zur Korruptionsvermeidung aber der ist, das allgemeine soziale Niveau in den betreffenden Ländern zu heben. So wie ein österreichischer Autozulieferer, der in Rumänien neben einem Werk auch
einen örtlichen Kindergarten und eine Volksschule mitfinanziert. Denn die Schaffung von Wohlstand und sozialer Ausgewogenheit sind bekanntlich die besten Waffen gegen Kriminalität. Das zeigt auch das Beispiel Tschechien. Unser nördlicher Nachbar hat bei den diversen Korruptionsindizes mittlerweile westliche Standards erreicht.

Klar ist natürlich, dass die Definition von Korruption und Bestechung immer schwammig bleiben wird. Ist die Einladung eines Bürgermeisters in ein Top-Lokal zwecks Grundstücksumwidmung schon Bestechung? Das muss jeder wohl für sich selbst entscheiden. Im Zweifelsfall ist es aber am besten ein Geschäft auch einmal nicht abzuschließen.

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