Bures zu 30 Jahre Frauenhäuser: "Wenn nicht darüber gesprochen wird, kann Gewalt ihre Blüten treiben"

Bures fordert muttersprachliche Beratung für von Gewalt betroffene Migrantinnen

Wien (SK) - "Gewalt gegen Frauen und Kinder ist keine Privatangelegenheit, sie ist ein Verbrechen, eine massive Verletzung der Menschenrechte. Nur wenn nicht darüber gesprochen wird, kann Gewalt ungehindert ihre Blüten treiben", betonte Frauenministerin Doris Bures die Wichtigkeit der Thematisierung von Gewalt gegen Frauen und Kinder. Gemeinsam mit Ex-Frauenministerin Johanna Dohnal und der Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger nahm Bures am Mittwoch an einer Diskussionsrunde zum Thema "30 Jahre Frauenhäuser -und immer noch kein bisschen leise" die im Rahmen der Tagung anlässlich 30 Jahre Frauenhäuser in Wien stattfand, teil. Der heurige Schwerpunkt der zweitätigen Enquete liegt im Gewaltschutz für Kinder, aber auch im künftig leichteren Zugang zu Hilfe für von Gewalt betroffene Migrantinnen. ****

"Es wird leicht vergessen, dass Migrantinnen besonders häufig von häuslicher Gewalt betroffen sind. Diese Frauen müssen noch besser informiert werden und ihnen der Zugang zu den Beratungsstellen durch muttersprachliche Beratung erleichtert werden", betonte Bures. Migrantinnen bliebe der Zugang zum Arbeitsmarkt aufgrund von mangelnden Deutschkenntnissen und dem Fehlen eines eigenen Aufenthaltstitels oft verwährt, dadurch würde der Ausstieg aus der häuslichen Gewaltspirale durch Abhängigkeit und dem fehlenden Wissen über Hilfseinrichtungen wie den Frauenhäusern zusätzlich erschwert.

Johanna Dohnal, die den Bau des ersten Frauenhauses vor dreißig Jahren entscheidend vorangetrieben hatte, erinnerte an die schwierige Anfangszeit und die gesellschaftlichen und politischen Hürden die es zu überwinden galt. "Man glaubte die Frau dürfe nicht weggehen, sie müsse es ertragen um die Familie nicht zu zerstören", kritisierte Dohnal die damalige Sichtweise der Gesellschaft. In den letzten dreißig Jahren sei "viel, aber noch nicht genug geschehen". Inzwischen gebe es in Österreich 26 Frauenhäuser, in den letzten 30 Jahren hätten 11.000 Frauen in Frauenhäusern Unterschlupf gefunden und jährlich führen die Mitarbeiterinnen mehrere tausend Beratungsgespräche am Telefon.

Die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger zeigte sich erfreut über die Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte. "Am Anfang stand nur eine kleine Gruppe von engagierten Frauen, heute haben wir das engagierte Selbstverständnis einer ganzen Stadt hinter uns", so Frauenberger, die weiter die Wichtigkeit der fixen Verankerung der Frauenhäuser im Wiener Budget betonte. "Es ist wichtig, dass Druck auf andere Bundesländer von Wien ausgeht", lobte Bures die Vorreiterrolle der Bundeshauptstadt im Kampf gegen häusliche Gewalt.

Die Frauenministerin erinnerte aber auch an die Zeit der schwarz-blauen Regierung. Durch Kürzungen im Budget seien "den Frauenhäusern keine ausreichende Mittel mehr zur Verfügung gestanden, es konnte nicht mehr allen Frauen geholfen werden". Bures erhöhte sofort nach Amtsantritt das Budget für die Frauenhäuser um 60 Prozent. "Heute wird keine Frau mehr im Stich gelassen. Die Frauenhäuser helfen mit psychologischer Beratung, Unterkünften und rechtlichem Beistand", so Bures, die daran erinnerte, dass die Frauen zwar rechtlich gleichgestellt seien, in der Realität aber immer noch durch Gehaltsschere mangelnde Vereinbarkeit von Kind und Beruf, unbezahlter Arbeit und anderweitig diskriminiert werden würden.

"Die rechtliche Gleichstellung darf kein totes Papier sein, wir müssen die Gleichberechtigung spüren", betonte Bures und Dohnal schloss mit einem Apel an alle Frauen: "Es wird nur das durchgesetzt werden, was wir Frauen uns selbst erkämpfen." (Schluss) sv

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