Ärztekammer präsentiert Vorsorgeinitiativen zu "HIV/AIDS"

Gemeinsame Kampagne mit der Aids Hilfe Wien soll das Bewusstsein bei Jugendlichen und Ärzten sensibilisieren

Wien (OTS) - "Jeder HIV-infizierte Mensch ist einer zu viel",
warnte heute, Mittwoch, Ärztekammerpräsident Walter Dorner im Rahmen einer Pressekonferenz davor, das Thema "HIV/AIDS" in Vergessenheit geraten zu lassen. Die im Rahmen des "Jahres der Gesundheitsvorsorge 2008" gemeinsam mit der Aids Hilfe Wien initiierten Präventivmaßnahmen der Wiener Ärztekammer sollen dazu beitragen, das Bewusstsein von Jugendlichen und Ärzten zum Thema "HIV/AIDS" zu sensibilisieren. ****

515 HIV-Neuinfektionen wurden 2007 in Österreich diagnostiziert, mehr als 50 Prozent davon in Wien. Etwa ein Drittel der in Österreich Betroffenen erhält die Diagnose "HIV positiv" erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, ein Viertel sogar erst, wenn bereits die durch HIV hervorgerufene Immunschwächekrankheit AIDS ausgebrochen ist. "Die Aids Hilfe Wien ist sehr daran interessiert, niedergelassene Ärztinnen und Ärzte für das Thema "HIV/AIDS" zu sensibilisieren und diese mit den nötigen fachlichen Informationen zu unterstützen", betont Dennis Beck, Obmann der Aids Hilfe Wien.

"Bei 30 Prozent der HIV-infizierten Menschen wird die Erkrankung erst fünf bis zehn Jahre nach der Infektion diagnostiziert", verweist Brigitte Schmied, Präsidentin der Österreichischen Aidsgesellschaft, auf ähnliche Erfahrungen wie Dennis Beck. Zu diesem Zeitpunkt bestünde dann bereits ein schwer geschädigtes Immunsystem, Therapien und Nebenwirkungen seien problematischer und ein Therapieerfolg könne nur in einem geringeren Prozentsatz der Behandelten erzielt werden.

Laut Dorner sind sich viele Patienten gar nicht bewusst, dass ein Infektionsrisiko mit dem HI-Virus besteht. Aufgrund der grippeähnlichen Symptome suchten die Betroffenen in dieser Phase meist einen niedergelassenen Arzt auf. Hier liege es an dem Arzt beziehungsweise der Ärztin, nachzufragen, ob der Patient ungeschützten Verkehr gehabt hat und die Möglichkeit einer HIV-Infektion besteht. "Hier muss zweifelsohne das Bewusstsein der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte, insbesondere jener für Allgemeinmedizin, geschärft werden, dass auch eine HIV-Infektion die erwähnten Symptome auslösen kann", so Dorner.

Fortbildung und Information für niedergelassene Ärzte

Alle Wiener niedergelassenen Allgemeinmediziner, Dermatologen, Pulmologen und Gynäkologen wurden von der Ärztekammer mit Foldern und Plakaten ausgestattet, um ihre Patienten verstärkt auf das Thema "HIV/AIDS" hinzuweisen. Die Folder enthalten Informationen über mögliche Infektionswege und Vorsichtsmaßnahmen, zum HIV-Test sowie die Kontaktdaten der Aids Hilfe Wien.

Weiters bereitet die Ärztekammer gemeinsam mit der Aids Hilfe Wien einen Fortbildungsschwerpunkt zum Thema "HIV/AIDS" für die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte im kommenden Wintersemester vor. "Wir sind uns bewusst, dass es hinsichtlich der Früherkennung der HIV-Infektion Aufklärungspotenzial bei den Ärzten gibt und möchten hier im Sinne einer bestmöglichen Therapie und Behandlung für die Betroffenen einen Beitrag leisten", betont Dorner.

Diskriminierung von HIV-positiven Menschen entgegenwirken

Zudem wird den Wiener Ärztinnen und Ärzten noch vor dem Sommer 2008 ein von der Aids Hilfe erstellter Bericht über die Diskriminierung HIV-positiver Menschen in Österreich übermittelt. "Dass dieser Bericht kritisch die medizinische Behandlung von HIV-positiven Menschen beleuchten wird und möglicherweise Defizite und Mängel aufweist, darauf sind wir hier natürlich eingestellt. Aber eben an diesen Mängeln werden und wollen wir arbeiten, diese Bereitschaft wollen wir mit dieser Initiative verdeutlichen", so der Ärztekammerpräsident.

Stigmatisierung und Diskriminierung entgegenzuwirken, ist - wie Erfahrungsberichte, die den Aids Hilfen Österreichs vorliegen, zeigen - auch im medizinischen Bereich erforderlich. "Immer wieder berichten Betroffene, dass sie schlecht behandelt oder sogar weggeschickt werden. Hier sind Information und Abbau von Ängsten die wesentlichen Schlüssel, um die medizinische Betreuung sicherzustellen und um Diskriminierung zu vermeiden", sagt Beck.

Bewusstsein von Jugendlichen sensibilisieren

Um speziell Jugendliche anzusprechen, hat sich die Ärztekammer an Schulen gewandt und entsprechende Initiativen entwickelt. Daher wird es im Rahmen des "Jahres der Gesundheitsvorsorge" Workshops geben, im Zuge derer die Jugendlichen von HIV-positiven Menschen über das Leben und den Alltag mit einer HIV-Infektion erfahren werden. Drei von der Ärztekammer explizit angesprochene Schulen in Wien haben sich für die Workshops bereits angemeldet.

Zudem initiiert die Ärztekammer gemeinsam mit der Aids Hilfe Wien ein Kunstprojekt, im Rahmen dessen Schülerinnen und Schüler aus den Oberstufen das Thema "HIV/AIDS" künstlerisch-kreativ gestalten werden. Die besten Arbeiten werden von einer Jury ausgewählt und bei einer Veranstaltung Ende Juni ausgezeichnet.

"Uns geht es darum, so viele unterschiedliche Gruppen wie möglich anzusprechen, denn das Thema HIV/AIDS betrifft uns alle", betont Dorner. Ebenso wie für alle anderen Gesundheitsbereiche müsse auch für den Umgang mit HIV folgende Devise gelten: "Prävention entfaltet dann ihre volle Wirksamkeit, wenn sie schon beginnt, bevor man sich einer Risikosituation aussetzt." (kp)

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