Radfahrsymposium spricht sich für Helm-Tragen aus

Stadt Wien-Radverkehrskoordinator: Strategie ist die Integration der Radfahrer im "Mischverkehr"

Wien (OTS) - Was auf den Schipisten bereits ganz gut funktioniere, nämlich Helme zu tragen, müsse auch für den steigenden Radfahrverkehr möglich sein: Peter Spitzer von der Kinderchirurgie in Graz gab sich Dienstag Vormittag beim ÄKVÖ/ÖAMTC-Symposium "Immer diese Radfahrer..." in Wien durchwegs optimistisch, bei der Propagierung dieses schützenden Accessoires. Die Zahlen aus den Unfallchirurgien des Lorenz Böhler-Krankenhauses, wie auch aus Graz unterstrichen die potentielle Vermeidbarkeit diverser Schädel-Hirn-Traumata bei Tragen eines Helms. Auch Harald Herz, Primar vom Böhler-Spital, sprach sich dezidiert für diese sinnvolle Schutzmaßnahme aus. Warum auf den Schipisten öfter und bereitwilliger Helme getragen werden, jedoch beim Radfahren selbst Kinder mit Ende der Volksschule auf das Tragen "vergessen" blieb offen. Laut einer Studie aus Graz tragen die 10jährigenViertklässler noch zu 81 Prozent einen Helm, kurz danach jedoch nur mehr zu 46 Prozent. Angesichts der nach einer rückläufigen Entwicklung im vergangenem Jahr wieder gestiegenen Unfallzahlen -österreichweit durchschnittlich 6.000 Verkehrsunfälle mit Radfahrern im Straßenverkehr, 24.000 im Freizeitbereich - und Unfalltoten - 2007 verstarben 37 Radfahrer (2002: 80 Tote) - war jedoch gemeinsamer Tenor, dass der Eigenschutzgedanke unter den Pedalrittern deutlich gesteigert gehöre. Interessante Facette: Die meisten Unfälle mit dem Rad erleiden Personen über 65 Jahre.

Wien setzt auf Hereinnahme des Radfahrers in den Straßenverkehr

Deutlicher und klar beantwortet wurde hingegen die Strategie der Stadt Wien in Sachen Radverkehr durch den seit 1990 amtierenden Radverkehrskoordinator Franz Blaha: Das Seperations-Prinzip, also die bewusste Trennung von Radfahrern und Auto-Verkehr mittels Radwegen im Fußgängerbereich, sei in der aktuellen Planung überholt. Wien setze zunehmend auf die bewusste Einbeziehung der Radfahrer als vollwertige Verkehrsteilnehmer. Blaha illustrierte dies am Beispiel des "aufgeblasenen Mehrzweckstreifens", was dem Radfahrer eine Vorrangstellung im Kreuzungsbereich vor den Autofahrern einräumt. Ziel ist es, die Sichtbarkeit bzw. die "Selbstverständlichkeit" des Radfahrers als "normaler Verkehrsteilnehmer" zu unterstreichen. Ein Detail: Die oftmals von Rad-Lobbyisten kritisierten Zusammenlegungen von Rad- und Fußgängerwegen umfassen beim derzeit 1090 Kilometer langen Radwegenetz von Wien (1992: 433 Kilometer) nur, so Blaha, rund sieben Prozent, sprich weniger als 80 Kilometer wienweit.

Der Erfolg gibt Blaha recht: Die Unfälle mit Radfahrer/innen sind in den letzten Jahren in etwa konstant - trotz steigenden Radverkehrs auf Wiens Straßen. So wurden im vergangenen Jahr 15 Unfälle weniger als noch 2006 verzeichnet. Das entspricht einer Abnahme um 2,3 % gegenüber einer Zunahme von 8 % österreichweit.

Kommunikationsverlust auf der Straße erzeugt vermeidbare Konflikte

Weiteres Thema des Symposiums, das die Ärztliche Kraftfahrvereinigung Österreichs (ÄKVO) als Zweigverein des ÖAMTC ausgerichtet hatte, war u.a. der steigende Kommunikationsverlust zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern im täglichen Straßengeschehen. Beim Abbiegen würden Radfahrer dies immer seltener durch Armbewegungen signalisieren, ebenso würden immer häufiger Autofahrer auf das Blinken vergessen: Die Mehrzahl der Verkehrsexperten orteten eine Zunahme an sich vermeidbarer Konfliktstellungen. Vorschläge, wie etwa eine Kennzeichnungspflicht für Radfahrer, trafen auf keine große Zustimmung. Sehr wohl auf Zustimmung stieß der Befund, dass speziell viele Radfahrer zu wenig über die juristischen Grundlagen des Straßenverkehrs wüssten.

Vom Laufrad zum richtigen Kinder-Fahrrad: Stützräder eher hinderlich

Eine Abfuhr erhielten auch die hierzulande sehr beliebten Stützräder für Kinder beim Fahrradfahren, die beim Symposium als "Stürzräder" bezeichnet wurden. Nicht nur, dass die Qualität angebotener Kinderfahrräder nicht gut sei, so ein Symposiumsteilnehmer, auch die Stützräder würden mehr Probleme aufwerfen, als lösen. Der Tipp der Experten: Am besten direkt vom wieder in Mode gekommenen Laufrad für Kleinkinder auf ein vernünftiges 18 bzw. 20-Zoll-Kinderfahrrad umsteigen. Überraschend dabei auch die Ergebnisse einer Langzeitstudie aus Norwegen: Kinder, die erst im Volksschulalter von acht Jahren das Rad fahren erlernen, hatten deutlich weniger Unfälle mit ihrem erstem wirklichen Fortbewegungsmittel zu erleiden, als Kinder, die bereits mit fünf Jahren in das physikalische Geheimnis des Radfahrens eingeweiht wurden. (Schluss) hch

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