"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Streiters Gage ist unverschämt" (Von Mario Zenhäusern)

Ausgabe vom 9. April 2008

Innsbruck (OTS) - Der Fall Konrad Streiter regt auf. Der ehemalige Landesrat kassiert als Konsulent des landeseigenen Energieversorgers Tiwag 18.500 Euro brutto pro Monat. Dieser mehr als fürstlich entlohnte Versorgungsposten für ein ausgemustertes Regierungsmitglied wirft Schatten auf die Tiroler Landespolitik. Vor allem auf die ÖVP, und die kann derartige Publicity so knapp vor den Landtagswahlen überhaupt nicht gebrauchen.

Dabei ist die finanziell großzügige Art des Umgangs mit Parteifreunden nicht allein ÖVP-immanent. Auch andere Parteien, Gruppierungen oder Bündnisse parken nicht mehr benötigte Mitglieder auf gut dotierten Posten. Beispiele gibt's genug. In der Innsbrucker Olympiaworld durfte sich einst Franz Linser vom Job des Tiroler FPÖ-Obmanns erholen. Derzeit versucht sich ebendort Innsbrucks Ex-Vizebürgermeister Michael Bielowski ("Für Innsbruck") - mit mäßigem Erfolg, wie das Debakel rund um den fehlenden Videowürfel in der großen Halle zeigt. Die Asfinag war lange Zeit Auffangbecken für ranghohe Gescheiterte aus dem FPÖ- bzw. BZÖ-Lager. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Wer im normalen Wirtschaftsleben seine Leistung nicht bringt, riskiert seine Entlassung. Anders in der Politik, wo die ausgemusterten Mitstreiter mit Top-Jobs belohnt werden, die alle eines gemeinsam haben: Die Rechnung zahlen wir Steuerzahler, ob wir wollen oder nicht.

Es gibt kein Argument, das diese Ungleichbehandlung rechtfertigen würde. Schon gar nicht, wenn die Zuteilungen so großzügig und damit so unverschämt sind wie bei Konrad Streiter.

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