"KURIER"-Kommentar von Anneliese Rohrer: "Einen Coach für Ursula Plassnik, bitte!"

Die Außenministerin muss sich neu erfinden, will sie mit ihren Themen punkten.

Wien (OTS) - Der Vorwurf des Zicken-Alarms ist in Kauf zu nehmen.
Er wird immer dann ausgelöst, wenn man als Frau eine Politikerin einer kritischen Betrachtung unterzieht. Die Vorhaltung, sich anti-feministisch zu verhalten, kommt unmittelbar danach, obwohl das eine mit dem anderen gar nichts zu tun hat.
Außenministerin Ursula Plassnik hat dieser Tage erhöhte Aufmerksamkeit verdient. Das Drama um die entführten Österreicher in Mali erhielt mit der jüngsten Forderung der Entführer eine rein österreichische Dimension und kann sich zu einer schweren Krise für Plassnik entwickeln. Das Parlament ratifiziert den EU-Reformvertrag, für den sie sehr spät eine Werbeoffensive gestartet hat. Sie hätte das Thema lange vor den EU-Gegnern auf der Straße forcieren müssen. Diese Offensive hat gezeigt, wie sehr sich Plassnik selbst im Weg steht. Im ORF-Report beklagte sie sich über mangelnde Gelegenheiten dort, über die EU reden zu können. Das stimmt nachweislich so nicht. Außerdem nimmt der ORF sicher jedes Plassnik-Interview, sofern Bereitschaft dazu besteht.
In einem Interview mit dem Standard wiederum zerstörte sie das EU-Thema gleich selbst mit ihrer Attacke auf Franz Fischler, den sie einen "alternden Tiroler Buben" nannte. Dass dies als markanteste Aussage übrig blieb, ist nicht Schuld des Mediums. Ursula Plassnik braucht dringend einen Coach. Dieser könnte ihr beibringen, dass man in der öffentlichen Kommunikation keine falschen Bilder verwenden und nicht niveaulos agieren sollte. Einen in jeder Hinsicht gewichtigen Ex-EU-Politiker als Buben abzuqualifizieren, passt einfach nicht und macht sie unglaubwürdig. In den letzten Monaten haben manche in der ÖVP in Ursula Plassnik wegen ihrer hohen Popularitätswerte eine Spitzenkandidaten-Alternative zu Wilhelm Molterer für die nächste Wahl gesehen. Wer aber Plassniks Umgang mit der Öffentlichkeit beobachtet, sollte diesen Gedanken ganz rasch verwerfen. Die Außenministerin hat die Angewohnheit, Journalisten abzukanzeln, ihr nicht genehme Fragen zu ignorieren und Interviews abrupt zu beenden. Wer allgemein politische Fragen als Spiel sieht, in das man sich "nicht hineinziehen" lässt; wer konsequent seine Meinung mit dem Satz verweigert "Ich habe gesagt, was ich zu sagen habe", würde als Spitzenkandidatin der ÖVP ein veritables Problem bekommen.
An der inneren Einstellung, die bei Plassnik - ob gewollt oder aus Unsicherheit - in der Öffentlichkeit durchscheint, könnte aber ein Coach nichts ändern: Andere sollten ihre Überlegenheit einfach zur Kenntnis nehmen. Wer das nicht versteht, ist selbst schuld. Was Plassnik offenbar nicht versteht: Genau daran ist letztlich ihr Mentor Wolfgang Schüssel gescheitert.
Zeit, an ihrem öffentlichen Erscheinungsbild zu arbeiten, hätte Plassnik sicher. Eine Coachingstunde für jeden öffentlichen Auftritt, den sie dem Vernehmen nach in allerletzter Minute absagt!

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