Ärztekammer stellt Patientenanwalt Armutszeugnis aus

"Wer jetzt als Patientenanwalt nicht die Stimme gegen das Sozialpartnerpapier erhebt, ist eine glatte Fehlbesetzung"

Wien (OTS) - "Schwer enttäuscht" zeigte sich heute, Dienstag, der Vizepräsident der Ärztekammer für Wien, Johannes Steinhart, von den Aussagen des niederösterreichischen Patientenanwalts Gerald Bachinger im Rahmen des gestrigen runden Tisches im ORF und in der heutigen Ausgabe der "Presse". Gerade jetzt müsste ein Patientenvertreter seine Stimme erheben und laut die Vorschläge der Sozialpartner kritisieren, "sonst ist er eine glatte Fehlbesetzung", so Steinhart. ****

In der Ärztekammer seien zahlreiche Unterstützungsanrufe von verängstigten Patientinnen und Patienten eingegangen, die befürchteten, dass "unser gutes Gesundheitssystem gerade nach deutschem oder britischem Vorbild umgekrempelt" werden solle, schildert Steinhart. Dabei sei doch bekannt, dass insbesondere das von Bachinger als vorbildhaft dargestellte britische Gesundheitssystem als "definitiv nicht patientenfreundlich" gelte. Für den Vizepräsidenten ist es "ein Armutszeugnis für den Patientenanwalt", dass die Patienten offenbar in den Ärztinnen und Ärzten die wahren Patientenanwälte sehen.

Für Steinhart ist die Haltung von Bachinger "nicht nachvollziehbar und unverständlich". Die Gründe, warum Bachinger die Auswirkungen auf die Patienten offenbar nicht sehe, "sind wohl nur ihm selbst bekannt". Denn dass von den geplanten Änderungen auch die Patientinnen und Patienten betroffen sind, sei bei dermaßen hohen Einsparungen wohl nicht zu vermeiden.

Zukunftsszenario: Schlechtere Versorgung der Patienten

Mit dem von den Sozialpartnern geforderten Abschluss von Kassenverträgen auf Zeit (fünf Jahre) könnten jene Ärztinnen und Ärzte, die die wirtschaftlichen Vorgaben überschreiten und beispielsweise zu viele Untersuchungen durchführen oder zu teure Medikamente verschreiben, gekündigt werden. "Ganz nach dem Motto: Wer nicht spurt, der fliegt", befürchtet Steinhart. Dies würde auf Dauer zu einer qualitativen Verschlechterung für die Patienten führen.

Auch der Vorschlag der Sozialpartner, dass Ärztinnen und Ärzte zukünftig nur mehr Wirkstoffe und keine Medikamente auf die Rezepte schreiben sollten, stößt bei Steinhart auf Granit. Die Apotheke müsse das billigste Medikament aushändigen. "In der Realität bedeutet das, dass dieses Medikament jedesmal ein anderes sein kann - ein Chaos für Patienten, die auf bestimmte Medikamente eingestellt sind", gibt der Standesvertreter zu bedenken.

Weiters beinhaltet das Sozialpartnerpapier den Vorschlag, dass freie Kassenplanstellen nicht mehr nachbesetzt werden sollen. "Was heißt das für die Patienten? Sie verlieren ihre Hausärzte, die wohnortnahe Versorgung wird damit zum Lippenbekenntnis der Politik." Zudem sei die Unterstellung Bachingers, die Ärzte würden sich gegen Kassenplanstellen wehren, eine "schlichtweg falsche Darstellung". Steinhart schlägt dem Patientenanwalt daher vor, "Nachhilfeunterricht in Sachen Kassenplanstellen" zu nehmen.

"Alle erwähnten Punkte gehen direkt nicht nur zulasten der Ärzteschaft, sondern auch zulasten der Patienten. Wir versprechen jedenfalls, für die gemeinsamen Interessen der Ärzte und der Patienten weiterhin lautstark aufzutreten und die Zerstörung unseres Gesundheitssystems mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu verhindern. Es ist wirklich bedauerlich, dass sich Patientenanwälte nicht einer Ur-Wahl durch die, die sie auch vertreten sollten, zu stellen haben, sondern politisch besetzt werden", so Steinhart abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222
Fax: (++43-1) 51501/1289
hpp@aekwien.at
http://www.aekwien.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NAW0001