AK: Gewinnbeteiligungsmodelle dürfen weder Lohnpolitik ersetzen noch Lohnverhandlungen einschränken

Wien (OTS) - "Die Unternehmensgewinne sind in den letzten Jahren massiv gestiegen, auf der anderen Seite stagnieren die Löhne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Es ist höchste Zeit, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen. Eine Korrektur dieser Schieflage kann aber nur über die Lohnpolitik gelingen, begleitet von einer Steuersenkung, die die kleinen und mittleren Einkommen massiv entlastet", sagen Herbert Tumpel und Josef Staudinger, AK Präsidenten von Wien und NÖ, anlässlich einer Veranstaltung der AK NÖ und Wien zum Thema "Mitarbeiterbeteiligung in Diskussion -Erwartungen-Realität-Perspektiven". Für die beiden Präsidenten ist klar: Gewinnbeteiligungsmodelle dürfen daher weder Lohnpolitik ersetzen noch dürfen sie den Spielraum bei Lohnverhandlungen einschränken.

Nicht alle profitieren - Risiko nicht abschätzbar
In Österreich sind ca 160.000 Beschäftigte am Kapital ihrer Unternehmen beteiligt. Kapitalbeteiligungsmodelle bieten vor allem die großen börsennotierten Unternehmen wie Voest Alpine, Flughafen Wien, RHI, Telekom, Post oder die Erste Bank an. Ob die Beschäftigten von Beteiligungen profitieren können, hängt vor allem von der Kursentwicklung ab. "Welches Risiko mit Beteiligungen verbunden ist, zeigt die Tatsache, dass der ATX an der Wiener Börse vom Höchststand im vergangenen Jahr bis Ende März 2008 mehr als 30 Prozent eingebüßt hat", warnt Herbert Tumpel. Derzeit werden Kapitalbeteiligungsmodelle bis zu 1.460 Euro im Jahr gefördert. Die Förderung ist ausreichend, eine Ausweitung ist aus der Sicht der AK nicht sinnvoll, da "zu viele Beschäftigte keine Möglichkeit haben, sich an ihren Unternehmen zu beteiligen. Dazu zählen etwa ArbeitnehmerInnen mit niedrigen Einkommen, atypisch Beschäftigte oder Personen bei Personengesellschaften im Sektor der Klein- und Mittelbetriebe", so Staudinger. Profiteure sind vor allem die Manager durch die steuerlich großzügig geförderten Stock Options, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Managergehälter in den letzten Jahren exorbitant gewachsen sind.

Neben Kapitalbeteiligungsmodellen gibt es in ca jedem dritten österreichischen Unternehmen Gewinnbeteiligungsmodelle. Aber auch bei diesen Modellen sind viele Beschäftigte ausgeschlossen, etwa der gesamte Non-Profit-Sektor, MitarbeiterInnen, die in nicht gewinnorientierten Tochtergesellschaften arbeiten, LeiharbeiterInnen oder Saisonarbeitskräfte. Darüber hinaus lassen sich Gewinne mit "kreativen Buchhaltungstechniken" relativ einfach wegrechnen, etwa innerhalb von Konzernunternehmen. "Von Gewinnprämien können Beschäftigte nur dann profitieren, wenn sie zusätzlich bezahlt werden. Werden Prämien eingesetzt, um Lohnbestandteile zu ersetzen, besteht die Gefahr, dass die Beschäftigten langfristig Lohneinbußen erleiden, da Prämien keine nachhaltige Wirkung haben", warnen die beiden AK Präsidenten.

AK Forderungen
+ Mehr Transparenz bei Beteiligungsmodellen: Recht auf Jahresabschlüsse
+ Abschaffung der steuerlichen Förderung von Stock Options
+ mehr Mitbestimmung bei Kapitalbeteiligungsmodellen, etwa durch Senkung der Squeeze-out Grenze (Anm. Squeeze-out = Recht des Mehrheitsaktionärs, Minderheitenaktionäre durch Übernahme ihrer Anteile aus dem Unternehmen zu drängen)
+ Absicherungsmaßnahmen für kapitalbeteiligte ArbeitnehmerInnen bei Umstrukturierungen, Insolvenzen und persönlichen Notfällen;
+ verpflichtende Aufklärung über das Risiko von Beteiligungen
+ Reform der Belegschaftsbeteiligungsstiftung für gebündelte Modelle

SERVICE: Präsentation des Buches "Gewinnbeteiligung-Mitarbeiterbeteiligung; Mythos oder Realität", Heinz Leitsmüller (Hrsg), ÖGB-Verlag, erhältlich im Buchhandel

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