Ökostromausbau spart in Zukunft hunderte Millionen Euro jährlich

21 Biogasanlagen demonstrieren den unverzichtbaren Beitrag der Bioenergie zu Klimaschutz und sicherer, leistbarer Energieversorgung - Voraussetzung: Ökostromgesetz neu

Wien (OTS) - "Wir brauchen eine neue Strompolitik für Österreich. Das Ökostromgesetz muss der erste Schritt zu dieser Neuorientierung sein", fordert Heinz Kopetz, Vorsitzender des Österreichischen und Europäischen Biomasse-Verbandes. "Erdöl und damit in Folge auch Erdgas werden immer teurer, und mit dem Erdgaspreis steigt auch der Strompreis. Warum wird da noch weiter in kalorische Kraftwerke investiert, statt den Stromverbrauch zu bremsen und den Ausbau der erneuerbaren Energien zu forcieren?" Der Anteil des erneuerbaren Stroms in Österreich sinke kontinuierlich, die europäischen Zielvorgaben seien so nicht zu erreichen, Kyoto würde weit verfehlt -und all das sei in vielfacher Hinsicht mehr als teuer: "2012, am Ende der Kyoto-Periode, werden uns Erdgas, der gestiegene Strombedarf und die Kosten für CO2-Zertifikate bereits mehrere hundert Millionen Euro mehr kosten als ein rascher Ausbau beim Ökostrom", warnt Kopetz.

Wirtschaft braucht "Ökostromgesetz neu" jetzt

Auch Franz Kirchmeyr, Leiter des Fachbereichs Biogas in der ARGE Kompost & Biogas Österreich, drängt zu raschem Handeln: "Österreich hat seinen Vorsprung im Ausbau der Erneuerbaren und besonders in der Technologieentwicklung durch die Politik der letzten Jahre verspielt und lässt einen aufstrebenden Wirtschaftszweig völlig im Stich." 323 Unternehmen erzeugen bereits Strom aus Biogas für 180.000 Haushalte, 1.500 Personen sind im Biogasbereich beschäftigt, 95 % der Wertschöpfung bleiben dabei im Inland. "Wenn wir diese Zukunftstechnologie weiter entwickeln wollen, brauchen wir gesicherte Rahmenbedingungen - und das sofort!", so Kirchmeyr. Steigende Rohstoffpreise würden in der fossilen Energiewirtschaft ganz selbstverständlich an den Kunden weiter gegeben, der Strompreis an der Leipziger Börse etwa sei seit 2002 um 280 % gestiegen. Die Einspeisetarife für Strom aus Biomasse und Biogas seien hingegen gesenkt worden. "Wir brauchen genauso eine Anpassung der Tarife, wenn die Preise für die Rohstoffe steigen oder fallen, durch einen im Gesetz verankerten Rohstoffindex. Es kann nicht sein, dass wir das `Futter´ für unsere Anlagen am freien Markt erkaufen müssen, der Erlös für unseren Strom aber dann fix ist."

Wahlkreisveranstaltung zu Strom aus Biogas

Um den politischen Entscheidungsträgern diese Fakten auch persönlich vor Augen zu führen, veranstalten der Österreichische Biomasse-Verband und die ARGE Kompost & Biogas Österreich heute einen Informationsabend "Strom aus Biogas". An 21 Anlagenstandorten sind zeitgleich in ganz Österreich Parlamentarier, Landtagsabgeordnete, Bürgermeister, Interessensvertretungen etc. eingeladen, sich über diese zukunftsfähige Form der Stromproduktion vor Ort ein Bild zu machen. "Eine Anlagenbesichtigung und besonders die Diskussion mit Biogasanlagenbetreibern sollen für alle wichtigen politischen Akteure eine Basis für ihre Entscheidung über die Zukunft der Ökostromförderung in Österreich darstellen" so die Organisatoren, Kopetz und Kirchmeyr.

Forcierung von Anlagen kleiner Leistung

Neben der Rohstoffanpassung fordern die Fachverbände weiters... - Anpassung der Ökostromzielsetzungen an die Vorgaben des Regierungsprogramms:85 % Strom aus Erneuerbaren bis 2020 (gemessen am Bruttoinlandsstromverbrauch) - Aufhebung des Kostendeckels für: Windstrom, Wasserkraft, Photovoltaikanlagen unter 30 kW elektrischer Leistung, feste Biomasse unter 500 kW sowie Biogas unter 100 kW, wenn überwiegend Gülle, Mist oder Zwischenfrüchte als Rohstoff eingesetzt werden. - Tariflaufzeit von 15 Jahren - für rohstoffgebundene Anlagen eine Absatzgarantie zu kostendeckenden Preisen für 25 Jahren - Wiederherstellung der Planungs- und Investitionssicherheit, die durch die Novellierung 2006 verloren gegangen ist

"Windstrom und Strom aus Kleinwasserkraft wird schon bald günstiger als Strom aus kalorischen Kraftwerken, daher ist eine Behinderung des Ausbaues kontraproduktiv", betonen die Experten. "Durch die Freigabe der Verstromung fester Biomasse in Einheiten unter 500 kW und für Photovoltaik unter 30 kW soll ein Inlandsmarkt als Anreiz zur Technologieentwicklung entstehen." Die Freigabe der Stromerzeugung aus Gülle und Zwischenfrüchten solle dazu beitragen, ungenützte Rohstoffquellen in die Energieversorgung einzubinden.

Auch das europäische Recht zwingt uns zur "Energiewende"

Kopetz zur Neugestaltung der Strompolitik: "Ein grundlegend neues Ökostromgesetz ist die Basis für eine rasche Umorientierung unserer Energiepolitik - wie sie auch die bevorstehende EU-Richtlinie für erneuerbare Energien erzwingen wird." Sauber getrennt zur Ökostromförderung bedürfe es dann zusätzlich eines Gesetzes zur Förderung von effizienten Kraft-Wärme-Kopplungen (mindestens 70 % Gesamtwirkungsgrad) und des Ausbaus der Fernwärme sowie vor allem eines Stromspar- und Effizienzgesetzes. "Nur so kann es uns gelingen, den vorgeschriebenen Anteil von 34 % Erneuerbaren am österreichischen Energiemix im Jahr 2020 zu erreichen."

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DI Stephan Grausam
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