Raabschaum: Wollsdorf Leder setzt weiter auf Risiko-Chemie

Greenpeace: Lederfabrik für 80 Prozent der Raab-Belastung mit Naphthalindisulphonaten verantwortlich

Wien/Graz (OTS) - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace übt im Zusammenhang mit der Verschmutzung der Raab heftige Kritik an der steirischen Firma Wollsdorf Leder. Bereits Mitte Februar hatten Analysen des Wollsdorf-Abwassers durch die Umweltschutzorganisation Rekordwerte bei der Risikochemikalie Naphthalin-1,5-Disulphonat ergeben. Die Unternehmensleitung hatte daraufhin eine Untersuchung des Problems angekündigt. "Doch bis heute haben wir von Geschäftsführer Joachim Haidacher trotz Nachfragen noch immer nicht erfahren, wie Wollsdorf Leder mit dem Problem der Risiko-Chemie umgehen will", kritisiert Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster, "Stattdessen leugnet das Unternehmen, für die Verschmutzung der Raab verantwortlich zu sein." Aktuelle Greenpeace-Berechnungen haben jedoch ergeben, dass Wollsdorf Leder für rund 80 Prozent der Naphthalindisulphonat-Emission in die Raab verantwortlich ist.

Naphthalin-1,5-Disulphonat ist vor allem deshalb so problematisch, weil es persistent, also biologisch nicht abbaubar, ist und sich in der Umwelt anreichert. "Es müssen sofort Maßnahmen gesetzt werden, um die Einleitung der Risikochemikalie in die Raab drastisch zu verringern. Der Feldbacher Lederfabrik Boxmark ist es binnen kurzer Zeit gelungen, die Emissionen um 90 Prozent zu reduzieren. Also kann es wohl auch für Wollsdorf Leder keine Mission Impossible sein", sagt Schuster.

Verwundert zeigt sich Greenpeace über die Aussage von Wollsdorf-Chef Haidacher, nur für weniger als ein Prozent der Naphthalindisulphonat-Konzentration in der Raab verantwortlich zu sein. "Bei näherer Betrachtung der Unternehmensinformation hat sich herausgestellt, dass Wollsdorf Milligramm und Mikrogramm verwechselt hat. Der tatsächliche Anteil von Wollsdorf Leder beträgt somit 80 und nicht 0,8 Prozent", so Schuster.

Die anderen Abwasseremissionen der Firma Wollsdorf Leder haben sich derzeit laut den amtlichen Untersuchungen auf einem hohen Niveau eingependelt, liegen aber im Allgemeinen knapp unter den für die Firma gültigen Grenzwerten. Ausgenommen davon ist der BSB5 (biologischer Sauerstoffbedarf), der konstant über dem zulässigen Wert ist. So lag er bei der letzten veröffentlichten amtlichen Untersuchung bei 45 mg/l gegenüber den vorgeschriebenen 25 mg/l. "Die Firma muss ihre Emissionen an die strengeren Grenzwerte anpassen", fordert Schuster, "Im Gegensatz zu Boxmark haben die Arbeiten bei Wollsdorf noch nicht ernsthaft begonnen."

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