"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Freiwillig geht da gar nichts" (Von CARMEN BAUMGARTNER)

Ausgabe vom 1. April 2008

Innsbruck (OTS) - Ministerin Kdolsky fehlt der Mut, beim Nichtraucherschutz klare Schritte zu setzen. Ab und zu muss man die Menschen zu ihrem Glück zwingen. Ein Rauchverbot in Lokalen soll keine Entscheidung der Wirte sein müssen, sondern von oben, also von den verantwortlichen Politikern, verordnet werden. Auf die können die Wirte dann schimpfen, wenn die Gäste wirklich so in Scharen ausbleiben, wie jetzt gern befürchtet wird. Die Beispiele Italien, Großbritannien oder Irland zeigen den Skeptikern aber ohnehin, dass selbst in Ländern mit einer echten "Raucherkultur" im wahrsten Sinne des Wortes aufgeatmet wird, wenn die rauchfreie Alternative - kein Gift in den Lungen, keine stinkende Kleidung, keine tränenden Augen, unbeeinträchtigter kulinarischer Genuss - von der Politik aufgedrängt wird.
Wahlfreiheit und Selbstbestimmung sind nette Worte, aber beim Nichtraucherschutz fehl am Platz. Außerdem begeht Wirtshausministerin Andrea Kdolsky (den Titel Gesundheitsministerin verdient sie als Gegnerin des Rauchverbots in Lokalen ja wohl schlecht) einen Denkfehler, wenn sie diese Worte immer wieder ins Spiel bringt. Zigtausende Nichtraucher, die sich nicht dem Qualm aussetzen wollen, haben eben keine Wahlfreiheit, da die mutigen Wirte, die auf ein rauchfreies Lokal setzen, in der klaren Minderheit sind. Auch den in der Gastronomie Beschäftigten bleibt eher die Qual als die Wahl. Die österreichische Lösung "wir kommen schon zusammen" funktioniert schlichtweg nicht. Leider fehlt es der Ministerin an Mut, das einzugestehen und an politischem Rückgrat, endlich ein komplettes Rauchverbot wie im EU-Trend durchzuziehen.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 05 04 03 DW 610

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001