Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Banken-Begräbnis

Wien (OTS) - Das ist ein Trauertag der österreichischen Wirtschaftsgeschichte: Die Creditanstalt hat endgültig zu existieren aufgehört. Der lange Zeit stolzeste Name der heimischen Finanzwelt lebt ab sofort nicht einmal mehr als billiges Anhängsel. Und auch der - viel weniger traditionsreiche - Name "Bank Austria" bezeichnet nur noch die Regionalabteilung eines italienischen Geldinstituts. So wie die "Bawag" heute nur noch Spekulationsobjekt eines amerikanischen Fonds ist.

Gewiss: In der Wirtschaft zählt immer nur das Morgen, auch wenn gerade in Geldangelegenheiten viele der Tradition oft mehr Vertrauen schenken als neuen Moden und Selbstdarstellern.

Was hat konkret zum Untergang der CA geführt? Er ist Folge eines vielfachen Scheiterns: der totalen Überforderung staatlicher Eigentümer, Banken zu leiten - was sowohl bei der CA wie auch bei der kaufenden "Bank Austria" (damals im Grunde noch die "Zentralsparkasse der Gemeinde Wien") deutlich wurde; des großbürgerlichen Hochmuts der alten CA-Führung, der kein Käufer gut genug war; der kleinbürgerlichen Groschenzählerei des 1997 gescheiterten Käufer-Konsortiums, das nicht willens war, den verlangten (und günstigen!) Kaufpreis auf den Tisch zu legen; des parteipolitischen Missbrauchs der Bank durch das Rathaus; und schließlich der zweimaligen Wahl eines maroden Käufers - denn so wie die Bank Austria die stillen Reserven der CA weit dringender zur Sanierung brauchte, als man allgemein ahnte, so war das dann nochmals bei der bayrischen Hypovereinsbank der Fall. Wollen wir hoffen, dass die UniCredit sich als ein besserer Käufer erweist.

Bedenkt man aber, wie wichtig die Erfolge unserer Banken in Osteuropa für Österreichs volkswirtschaftliche Stärke sind, dann muss man nüchtern festhalten: Künftig wird jedenfalls ein guter Teil der Gewinne dieser Institute ins Ausland fließen.

Und Österreich wird noch mehr vom Gewinn der verbleibenden Banken abhängen. Diese dürften zum Glück recht clever zu agieren: So konnten sie sich von den schwindligen US-Hypotheken weitgehend fernhalten. Wofür ihnen Respekt gebührt.

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