"KURIER"-Kommentar von Christoph Kotanko: " Die Macht der Mitte"

Die Mittelschicht zahlt den Großteil der Steuern. Doch das Murren wird lauter.

Wien (OTS) - Alle wollen dem Mittelstand Gutes tun. Es geht um
jene große Gruppe, die - nach altlinker Definition - "weder den Kapitalisten noch dem Proletariat zuzurechnen ist". Dazu gehören Beamte, Angestellte, Facharbeiter, Freiberufler, kleine und mittlere Unternehmer, Leute mit guter Qualifikation und einem Brutto-Jahreslohn zwischen 30.000 und 60.000 Euro.
Diese Mittelschicht zahlt den Großteil der Steuern und stemmt die Hauptlast der Sozialabgaben. Besonders geschröpft werden die unselbstständig Beschäftigten: Ihre Steuerlast wird durch die "kalte Progression" ständig erhöht. Österreich hat sehr hohe Lohnsteuertarife; schon der Eingangssteuersatz beträgt 38,3 Prozent. Seit 20 Jahren gab es keine echte Steuerreform.
Kommt jetzt eine? Sie müsse "ein Gesamtkunstwerk" sein, verlangt der Wirtschaftsforscher Karl Aiginger.
Doch dazu braucht die Politik Mut statt vager Visionen.
Die Differenz zwischen Brutto- und Nettoeinkommen ist beim Mittelstand besonders groß. Wird das nicht tief greifend geändert, werden die Regierungsparteien die Macht der Mitte spüren. Denn diese Wähler sind mobil und munter. Und sie haben seit Langem das Gefühl, sie seien die Dummen im herrschenden System.

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