Interesse an Konferenz: "Wien Aktiv gegen Zwangsheirat"

Stadträtin Frauenberger bekräftigte rechtliche Forderungen für von Zwangsheirat Bedrohte oder Betroffene

Wien (OTS) - Das Interesse an der Fachkonferenz "Wien Aktiv gegen Zwangsheirat", die im Rahmen des EU Daphne-Projekts "Aktiv gegen Zwangsheirat", gestern, Donnerstag im Rathaus stattfand, war enorm. Über 200 ExpertInnen nahmen an der Veranstaltung teil. Die TeilnehmerInnen setzten sich aus VertreterInnen unterschiedlicher Fachdienststellen der Stadt Wien, Ämtern der Landesregierungen, Bundesministerien, der Polizei, der Politik auf Bezirks- und Landesebene und VertreterInnen der Daphne-Projektgruppe aus staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen der Städte Geralfingen, Hamburg, Istanbul, London, Stockholm und Utrecht zusammen.

Bis zum Ende der Konferenz in der Volkshalle war die Beteiligung des Publikums an den zahlreichen Frage- und Diskussionsrunden ungebrochen hoch. Insgesamt zeigt diese aktive Partizipation und die Vielzahl der anwesenden Fachleute einmal mehr, wie groß das Bedürfnis an Information und Austausch über das Thema Zwangsheirat ist.

Frauenberger: "Zwangsheirat ist primär ein Gewaltthema!"

Frauenstadträtin Sandra Frauenberger erhob klare Forderungen um den von Zwangsheirat bedrohten oder betroffenen Mädchen und jungen Frauen zu helfen. Sie forderte einen eigenen Aufenthaltstitel für Frauen nebst sofortigem Arbeitsmarktzugang, um ihnen ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben zu ermöglichen. Außerdem sprach sie sich für die doppelte Staatsbürgerschaft aus, damit österreichische Vertretungsbehörden im Fall einer Verbringung ins Herkunftsland der von Zwangsheirat bedrohten und betroffenen Frauen eine Rückholung durchführen können.

Frauenberger räumte die Verantwortung der Gebietskörperschaften ein, die bei Erkennen eines erhöhten und bisher nicht gedeckten Bedarfs an Beratungs- und Betreuungsangeboten konsequenter Weise ebenso eine Erhöhung der finanziellen Ressourcen sicherstellen müssten.

Hochrangig besetztes Podium

Die Vortragenden kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Stadt. So waren unter anderem Mag.a Barbara Michalek, Leiterin des 24-Stunden Frauennotrufes, Mag.a Renate Balic-Benzing, Abteilungsleiterin des Amt für Jugend und Familie, Maga Elisabeth Assmair, MA 35 - Einwanderung, Staatsbürgerschaft, Standesamt sowie Mag. Christoph Teufl, Abteilung Schulpsychologie im Stadtschulrat für Wien am Podium. Aber auch VertreterInnen der Polizei der MA 17 -Integrations- und Diversitätsangelegenheiten, des Vereins Orient Express sowie des Zentrums für Soziale Innovation stellten sich nach Ihren Fachvorträgen der Diskussion.

Die Gründe für Zwangsheirat sind nicht in der Religion zu sehen, diese wird aber oft zur Legitimation herangezogen.

Von vielen Vortragenden, wie auch vom Publikum, wurde wiederholt festgestellt, dass eines der vordringlichsten Ziele die Sensibilisierung und Information der Bedrohten, Betroffenen sowie aller mit diesen Personen in Berührung stehenden ProfessionalistInnen sein muss. Dass Sichtbarmachen des Problems ist Voraussetzung für die Möglichkeit dagegen aktiv zu werden und den Bedrohten und Betroffenen adäquate Unterstützung anbieten zu können.

Vielfach kritisiert wurde die Tatsache, dass Österreich bei nichtösterreichischen StaatsbürgerInnen dem Heimatrecht der Ehewilligen den Vorrang gibt, solange dieser nicht den österreichischen Grundwerten widerspricht. Dadurch kommt es immer wieder vor, dass bei einer Heirat nicht-österreichischer StaatsbürgerInnen unter 18 Jahren die normalerweise verpflichtende Überprüfung der Ehefähigkeit durch österreichische Gerichte nicht stattfinden muss. Es gibt nationale Rechtssysteme, die dem Recht des Wohnsitzes der Personen gegenüber Heimatrecht den Vorzug geben. Diese sind besser geeignet, um eine Gleichberechtigung der Geschlechter bei der Eheschließung zu sichern. Mindestaltersgrenzen können umgangen werden, wenn die Verheiratung im jeweiligen Herkunftsland erfolgt.

Als sehr wesentlich wurde von den ExpertInnen die Rolle von MultiplikatorInnen in den Communities hervorgehoben. Die Integrationsabteilung der Stadt Wien hat mit Projekten wie beispielsweise der Einrichtung eines Multiplikatorinnenpools erste konkrete Schritte gesetzt.

"Heiraten ohne Zwang" der Folder, der künftig in Spitälern, bei Standesämtern, in Schulen, MigrantInnen-Treffpunkten und Beratungsstellen aufliegt, klärt in mehreren Sprachen auf: keine Frau kann in Österreich zur Heirat gezwungen werden. Zwangsheirat ist ein Gewaltdelikt (sechs Monate bis fünf Jahre Haft), zudem werden im Folder die wichtigsten Anlaufstellen aufgelistet. Auch dieser Folder ist ein Schritt mehr im Kampf gegen Zwangsverheiratung.

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