Gusenbauer: "Doping im Sport ist kein Kavaliersdelikt"

Der Bundeskanzler und Sportminister äußerte sich heute zur Anti-Doping Politik und zu Boykottaufrufen im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking.

Wien (OTS) - "Dopingfälle dürfen nicht stillschweigend übergangen werden, sie sind kein Kavaliersdelikt", betonte Bundeskanzler und Sportminister Alfred Gusenbauer heute anlässlich der Präsentation des Buches "Sp(r)itzenleistungen - Doping und die Zukunft des Sports". Die Autoren Martin Sörös und Erich Vogel haben sich in diesem Band, erschienen im Ueberreuter Verlag, mit Dopingfällen der Vergangenheit und aktuellen Fragen des Dopings auseinander gesetzt. In der Diskussion um Anti-Doping Maßnahmen und die Zukunft des Spitzensports äußerte sich Gusenbauer auch zu den aktuellen Boykottaufrufen der Olympischen Spiele in Peking.

In Österreich sei nun endlich der dringende Handlungsbedarf im Kampf gegen das Doping erkannt worden: "Wir sind definitiv keine Insel der Seeligen. Nach den Vorfällen in Turin sei klar gewesen, dass wir in unserem Land dringend internationale Standards gegen das Doping im Sport umsetzen müssen", so der Bundeskanzler und Sportminister. Mit der Einrichtung einer Nationalen Anti-Doping Agentur und dem neuen Anti-Dopinggesetz würden daher längst fällige Schritte gesetzt. "Wir wollen einen sauberen Sport, denn Doping ist nicht nur schlecht für die Gesundheit, sondern auch für das Geschäft", sagte Gusenbauer mit Verweis auf den Radsport. "Die Fans verlieren das Interesse an unehrlichen Wettkämpfen."

In der Diskussionsrunde mit den Autoren wurde mehrfach betont, dass das Hauptaugenmerk den "Hintermänner" im Dopinggeschäft gelten müsse. Das Podium war sich darin einig, dass strafrechtliche Sanktionen die wahren Täter treffen müsse. "Sportler sind selten die Täter, sondern in erster Linie Opfer", so Gusenbauer. Es gelte daher immer, zwischen Tätern und Opfern zu unterscheiden. Mit dem neuen Anti-Dopinggesetz wolle man eine Präventivwirkung erzielen. Trainer, Ärzte und all jene, die mit schädigenden Substanzen handeln, sollen damit zur Verantwortung gezogen werden. Den Kampf gegen neue Substanzen verglich der Bundeskanzler mit dem berühmten Stein des Sisyphus:
"Unsere Arbeit muss immer wieder von vorne beginnen, um gegen neuartige Methoden vorgehen zu können." Gleichzeitig bekannte sich Gusenbauer zu legitimen Wegen der Leistungssteigerung: "Wir müssen für den Sport in Österreich solche Strukturen schaffen, dass auch ohne Doping Weltklasseleistungen erzielt werden können".

Zur aktuellen politischen Diskussion über Boykottmaßnahmen gegen die Olympischen Spiele in Peking sagte Gusenbauer: "Wir dürfen vor Menschenrechtsverletzungen und Gewalt nicht die Augen verschließen. Gleichzeitig muss unterschieden werden, wie sich die Politik auf der einen Seite und die Sportlerinnen und Sportler andererseits verhalten sollen". Von der Politik wünsche sich Gusenbauer eine gemeinsame Vorgangsweise der Europäischen Union. Die Außenministerin werde daher heute bei einem Treffen mit ihren Amtskollegen für eine abgestimmte europäische Haltung eintreten. "Die Athletinnen und Athleten sollten nicht um ihre Chance gebracht werden, bei den olympischen Bewerben ihr Können zu zeigen. Die Politik muss gleichzeitig alles versuchen, um die Spiele als Chance zu echten Verbesserungen für Tibet zu nutzen", so der Bundeskanzler abschließend.

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