Becher: Umschichtung der Wohnbauförderung lässt Wohnungsverknappung befürchten

Mietervereinigung bezweifelt Effizienz von Passivhäusern im mehrgeschossigen Wohnbau

Wien (SK) - SPÖ-Bautensprecherin Ruth Becher und Nadja Shah, die leitende Juristin der Mietervereinigung, äußerten am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz ihre Bedenken gegen eine Umschichtung der Wohnbauförderung vom Neubau zum Sanierungsbereich. Vor dem Hintergrund der seit 1996 "eingefrorenen" Wohnbaufördermittel von Seiten des Bundes sei eine Beeinträchtigung der Neubauleistung festzustellen - eine Schieflage, die sich durch den Finanzausgleich 2007 noch verschärft, befürchten Becher und Shah, da die Länder verpflichtet sind, die Wohnbauförderung an den Klimaschutzzielen der Bundesregierung auszurichten. ****

Becher zeigt auf, dass die Treibhausgas-Hauptemissionen sich beim Verkehrs- und Industriesektor festmachen lassen. Den stärksten Anstieg verzeichnet der Verkehr. Gemessen an den gesamten Treibhausgas-Emissionen erreicht der Sektor Wohnen (Raumwärme)einen Anteil von 10 Prozent. Davon gehen zwei Drittel an die Eigenheime. Im Vergleich zum Verkehr und der Energieversorgung ist allerdings im Bereich Wohnen ein Rückgang des CO2-Ausstoßes zu verzeichnen.

Die Hälfte des gesamten Wohnungsbestands umfasst Eigenheime und Bauernhöfe - für sie ist daher keines der drei Wohngesetze (MRG, WGG, WEG) für etwaige wärmedämmende Maßnahmen zu berücksichtigen. "Um energetische Ziele zu erreichen, muss die Bauordnung geändert werden", forderte Becher. Dort sollten die energetischen Ziele verankert werden.

Wenn man von einem Anheben der Sanierung von derzeit 1 Prozent auf 3 Prozent spreche, müsse man sich im Klaren sein, dass das mit zusätzlichen Kosten verbunden ist, so Becher. Die Bautensprecherin verweist auf eine wifo-Studie, die von einem zusätzlichen Bedarf von 8.000 bis 10.000 Wohnungen jährlich spricht und befürchtet daher durch die Umschichtung bei der Wohnbauförderung "sehr starke sozialpolitische Auswirkungen", konkret einen Stillstand im Neubau und in weiterer Folge Wohnungsverknappung, ja sogar Wohnungsnot. Auch besteht die Gefahr, dass der Bund sich mit den 15a-Vereinbarungen aus der umfassenden Verantwortung für das Wohnungswesen zurückzieht und nur mehr Einfluss auf klimaschutzrelevante Zielsetzungen ausübt.

Auch Shah erkennt "fatale Folgen für den Wohnungsmarkt", die eine Umschichtung der Wohnbauförderung vom Neubau zur Sanierung hätte. Die Rechtsexpertin der Mietervereinigung kritisiert aber auch den Vorzug von Passivhäusern bei der Wohnbauförderung auch bei mehrgeschossigen Wohnhäusern. "Ich sehe hier eine große Differenz zwischen Theorie und Praxis", sagte Shah. Ein Passivhaus sei ein technisches Gebäude, es müsse sehr exakt gebaut und auch richtig benutzt werden, sonst wirke der gewünschte Effekt nicht. Beides sei aber in der Praxis selten der Fall. "Ich teile daher die Euphorie rund um das Passivhaus nicht", so Shah. Die Mietervereinigung fordere daher zuerst gezielte Forschung, ob die Erwartungshaltungen tatsächlich erfüllt werden können, dann erst sollte das Passivhaus in der Wohnbauförderung als Standardhaus Eingang finden. Auf Anfrage meinte Becher, sie hoffe, dass Mittel aus dem Klimafonds für derartige Forschung in Anspruch genommen werden.

Die Presseunterlage zur Pressekonferenz ist für die Medienvertreter unter www.spoe.at zur Verfügung gestellt. (Schluss) up

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