Stellungnahme Rektor Bast zu Tibet-Krise

Wien (OTS) - Sport ist ebenso wenig gesellschaftspolitisches Niemandsland, wie Kunst.Wenn sich China politisch mit den olympischen Idealen schmückt, muss es sich daran messen lassen. Forderung nach Beendigung von Gewalt und Repression gegen kulturelle Identität und Vielfalt in Tibet ist daher gerade jetzt wichtig und legitim.

Wachsenden Ärger rufen die Reaktionen oder Nicht-Reaktionen der diversen olympischen Sportorganisationen und deren politische Patronanz zum aktuellen Thema Tibet bei Gerald Bast, dem Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien hervor:

Durch ein seit einigen Jahren laufendes Projekt des Instituts für Konservierung und Restaurierung im nur wenige Kilometer von Tibet entfernten nordindischen Dorf Nako mit einem buddhistischen Tempelkomplex aus dem 11. Jahrhundert, sind wir für das Thema Tibet wohl überdurchschnittlich sensibilisiert, zumal der Dalai Lama im Vorjahr dieser Tempelanlage während der Restaurierungsarbeiten einen Besuch abstattete.

Wie sich jetzt die nationalen und internationalen Repräsentanten des Sports demonstrativ blind und taub stellen, ist angesichts der aktuellen Ereignisse in Tibet nur mehr schwer erträglich. Ich sage das als Vertreter einer Kunstinstitution, die sich - ebenso wenig wie Sportverbände - als politische Organisation sieht, aber sehr wohl als gestaltender und mit gesellschaftspolitischer Verantwortung ausgestatteter Teil unserer Gesellschaft.

Wenn Demonstrationen gegen die kulturelle und wirtschaftliche Marginalisierung einer Bevölkerungsgruppe mit politischer Repression und gleichzeitiger Ausweisung nicht nur aller Journalisten sondern überhaupt sämtlicher ausländischer BesucherInnen beantwortet werden, dann wird ein Staat, der Olympische Spiele unter dem Motto "One World One Dream" veranstaltet, unglaubwürdig.
Wenn Massenverhaftungen, Verletzte und Tote durch systematische, totale Informationssperre aus dem internationalen öffentlichen Bewusstsein gehalten werden sollen, dann sollte man dies nicht als innerpolitische Angelegenheit, die mit dem Sport nichts zu tun habe, schweigend hinnehmen.

Wenn die olympische Friedensfackel nur unter Militärschutz durch diesen Teil Chinas getragen werden kann, dann sollten auch die nationalen und internationalen Sportfunktionäre aus ihrer idyllischen gesellschaftspolitischen Schein-Exklave gerissen werden.

Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Staaten, die mehr oder weniger offensichtlich fundamentale Menschenrechte verletzen, aber ein Staat, der die Weltfestspiele des Sports veranstaltet, die den olympischen Idealen des Friedens und der Völkerverständigung gewidmet sind, muss sich daran auch in besonderem Maße messen lassen, zumal sich dieser Staat - anders als es die Sportfunktionäre sehen wollen -mit eben diesen Spielen und deren Idealen politisch wirksam schmücken will. Eben deshalb ist es nicht nur legitim, sondern ein Gebot der Stunde, gerade jetzt ein Ende von Gewalt und Repression gegen kulturelle Identität und Vielfalt in Tibet zu fordern. Denn Sport ist ebenso wenig wie Kunst ein gesellschaftspolitisches Niemandsland, wenn es um die Einhaltung von Menschenrechts-Standards von der Informations- und Meinungsfreiheit bis hin zur Wahrung der persönlichen Integrität geht!

Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien

Rückfragen & Kontakt:

Universität für angewandte Kunst Wien
Öffentlichkeitsarbeit/Stabstelle des Rektors
Mag. Anja Seipenbusch-Hufschmied/Leiterin
Oskar Kokoschka-Platz 2, 1010 Wien
Anja.seipenbusch@uni-ak.ac.at
www.dieangewandte.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | UAK0001