Liese Prokop Preis für soziales Engagement erstmals verliehen

Schwester Hildegard Teuschl sowie die beiden Vereine „Kinder im Schatten“ und „Schau hin“ im Gedenken an Liese Prokop geehrt

Wien, 28. März 2008 (ÖVP-PD) Liese Prokop war eine bewundernswerte Frau mit einem unglaublich großen Herzen. Zum Gedenken an sie hat ÖVP-Bundesparteiobmann Vizekanzler Wilhelm Molterer gemeinsam mit den Bundesministerinnen Andrea Kdolsky und Ursula Plassnik, Staatssekretärin Christine Marek, dem zweiten Nationalratspräsidenten Michael Spindelegger, ÖAAB-Obmann Fritz Neugebauer, der Bundesobfrau der ÖVP-Frauen Maria Rauch-Kallat, Nationalratsabgeordnete Dorothea Schittenhelm und ÖVP-Bundesgeschäftsführerin Michaela Mojzis den "Liese Prokop Preis" ins Leben gerufen. Mit diesem Preis werden Menschen und Vereine gewürdigt, die sich besonders für ihre Mitmenschen engagieren - wie Liese Prokop das selbst so beeindruckend vorgelebt hat. Für sie alle ist ihre tagtägliche Leistung im Dienste ihrer Mitmenschen selbstverständlich. Um das Selbstverständliche sichtbar zu machen, hat die ÖVP vergangenen Dezember das Netzwerk „Menschlich.Handeln“ ins Leben gerufen. Engagierte Menschen präsentieren auf der Plattform www.menschlichhandeln.at soziale Projekte, für die sie sich einsetzen. ****

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird zu jeweils drei
gleichen Teilen aufgeteilt und auf 3.500 Euro aufgerundet. Anlässlich des Geburtstages von Liese Prokop am 27. März 2008 wurde der Preis gestern Abend erstmals verliehen. Preisträger sind Schwester Hildegard Teuschl sowie die beiden Vereine „Kinder im Schatten“ und „Schau hin“.

ÖAAB-Obmann Fritz Neugebauer bedankte sich in seiner Eröffnungsrede bei Liese Prokop für ihr soziales Engagement: „Sie hat sich immer auf die Segmente der Benachteiligten und der Behinderten in unserer Gesellschaft ganz besonders eingelassen und dort Hand angelegt.“ Dankbar ist Neugebauer, mit Prokop gemeinsam ein Stück ihres Weges gegangen zu sein und zitierte abschließend Liese Prokops politisches Vorbild Julius Raab: „Das Wichtigste an der sozialen Marktwirtschaft ist die soziale Dimension - das hat Liese Prokop gelebt.“

Den ersten Gewinner, den Ministerin Kdolsky vorstellte, ist der Verein Patenschaften- und Soforthilfefonds „Kinder im Schatten“. Der ehemalige Salzburger Landesrat Sepp Oberkirchner hat im Februar 2004 diesen Fonds ins Leben gerufen, um direkte und langfristige Patenschaften für in Not geratene Kinder zu vermitteln und zu verwalten, rasche und unbürokratische Hilfe bei besonderen Schicksalsschlägen zu leisten aber auch Starthilfe für Projekte im Behinderten- und Jugendwohlfahrtsbereich zu ermöglichen. „Dass alleine in Österreich 87.000 Kinder von akuter Armut betroffen sind und in eine ungesicherte und ungewisse Zukunft blicken, davor dürfen wir unsere Augen nicht verschließen. Sepp Oberkirchner hat seine Augen nicht verschlossen. Er gibt diesen Kindern Nestwärme“, so Kdolsky anerkennend. Die jetzige Schirmherrin des Fonds ist die Salzburger Landesrätin Doraja Eberle.

Der zweite Gewinner ist der Verein zur Prävention und Abklärung von Kindesmisshandlungen, „Schau hin“. Überreicht wurde der Preis von Staatssekretärin Marek und dem zweiten Nationalratspräsidenten Spindelegger. „Schau hin“ beschäftigt sich mit nachhaltiger Intervention, Information und Prävention, um der Kindermisshandlung entgegenzutreten, denn über die Hälfte der betroffenen Kinder fällt durch den Opferschutz. „Augen aufmachen, Ohren aufmachen und Mund aufmachen - das ist der Grund, warum wir diesen Verein auszeichnen. Man darf sich vor solchen Tabuthemen nicht verschließen“, appellierte Marek. Spindelegger betonte: „Wir alle beschäftigen uns nicht gerne mit diesen Themen. Aber dass es Menschen gibt, die
genau hinschauen und versuchen, Prävention zu gestalten und betroffenen Kindern zu helfen - das wäre auch im Sinne Liese Prokops gewesen.“ Der Initiator des Vereins ist Nationalratsabgeordneter Peter Eisenschenk.

Dritte Preisträgerin ist Schwester Hildegard Teuschl, Mitbegründerin und Vorsitzende des Dachverbands Hospiz Österreich. Durch ihre Beharrlichkeit und Überzeugungskraft ist es gelungen, dass heute die Hospiz-Idee in Österreich fest verankert ist. Sie wollte das Thema Sterben enttabuisieren und forderte daher Recht
und Gerechtigkeit für jene, die dies selbst nicht mehr können. Dafür suchte sie das Gespräch mit den politisch Verantwortlichen und Vertretern der Kirchen und arbeitete eng mit Kardinal König zusammen. Als sich im Mai 2001 bei einer parlamentarischen Enquete alle vier Parlamentsparteien einigten, dass es aktive Sterbehilfe
in Österreich nicht geben dürfe, empfanden dies beide als Bestätigung ihres öffentlichen Engagements. Ursula Plassnik und Maria Rauch-Kallat überreichten gemeinsam den Preis an Teuschl. Sie sei „nicht nur eine österreichische, sonder auch eine große europäische Mutmacherin, wie es auch Liese Prokop gewesen ist“, so Plassnik.

„Sich einzusetzen, ganz nüchtern und pragmatisch den nächsten Schritt zu tun und angesichts des Leids nicht zu verzweifeln und zu resignieren, das ist eine der großen Lehren, die wir mitnehmen wollen“, so Plassnik weiter. Wesentlich war zuletzt auch Hildegard Teuschls Beitrag zum Zustandekommen des Patientenverfügungsgesetzes, um die Autonomie von Patienten zu stärken und Entscheidungshilfe für Pflegeteams und Angehörige bei nicht mehr kommunikationsfähigen Menschen in der Sterbephase zu gewährleisten. Rauch-Kallat betonte: „Eine bemerkenswerte Frau, die die Not der anderen erkannt und innovative Wege gewählt hat. Mit diesem Preis krönen wir ein Lebenswerk.“ Frau Landeshauptmann a.D. Waltraud Klasnic wird als Nachfolgerin ihre Aufgaben als
Vorsitzende von Hospiz Österreich übernehmen.

Mit großer Freude und Wertschätzung bedankte sich Schwester Hildegard Teuschl im Namen aller drei Preisträger/innen. „Mit der Auswahl der Preisträger hat sich das gesamte Leben von der Kindheit bis zum Sterben umspannen lassen. Tatkräftige Hilfe für Randgruppen und Menschen in Notsituationen ist das eindeutige Anliegen aller Ausgezeichneten. Damit wird im Sinne von Liese Prokop physische, rechtliche und soziale Sicherheit von benachteiligten Kinder, Jugendlichen, alten und sterbenden Menschen gefördert.“

Abschließend bedankte sich Gunnar Prokop im Namen seiner gesamten Familie für die Weiterführung des sozialen Lebenswerks und die anhaltende Anerkennung seiner verstorbenen Frau. Er entschloss sich spontan, für zehn Kinder des Vereins „Kinder im Schatten“ eine Patenschaft zu übernehmen und führt so das soziale Engagement seiner verstorben Frau weiter.

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