"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Kinder Kind sein lassen" (Von MIRIAM SULAIMAN)

Die Gewaltspirale dreht sich nicht. Die Gesellschaft reagiert nur anders darauf. Deswegen gehört das Schulsystem angepasst. Ausgabe vom 27. März 2008

Innsbruck (OTS) - Regelmäßig überschlagen sich Institutionen mit Schreckensmeldungen über Gewalt an der Schule. Sie ist häufiger geworden, das kann man nicht verleugnen. Im Detail finden sich aber großteils ähnliche Vorfälle wie sie sich schon vor fünfzehn Jahren ereignet haben. Hänseleien oder Raufereien gab es immer. Heute sagen wir Mobbing dazu. Doch die Gesellschaft ist sensibler geworden, weil die Gewaltbereitschaft zugenommen hat.
Das Problem ist damit nicht die Gewalt an sich. Sondern die Reaktion auf diese. Während früher ein Messer in der Schule belächelt wurde, landet ein Schüler jetzt auf der Polizeistation. Früher wurden die Probleme in der Familie bewältigt. Heute stehen Eltern ihren Kindern vielfach hilflos gegenüber und haben aufgrund von beruflicher Belastung oder schwieriger Familienverhältnisse ein schlechtes Gewissen und lassen die Zügel locker schleifen. Letztlich fehlt den Kindern das soziale Sicherheitsnetz. Sie wachsen oft grenzenlos auf. Die Schule kann nicht alles auffangen. Auch wenn sie sich bemüht. Projekte gibt es wie Sand am Meer, diese können aber nicht die fehlende Erziehung auffangen. Neue Modelle sind notwendig. Essentiell ist, dass sich die Eltern nicht aus der Verantwortung verabschieden dürfen. Schulen benötigen zusätzliche Möglichkeiten, um Familienersatz sein zu können. Eines darf aber nicht vergessen werden: Kinder sind keine Erwachsenen. Sie dürfen Fehler machen und ihre Grenzen ausloten. Es muss nur jemand da sein, der sie auffängt und ihnen den richtigen Weg weist.

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