"KURIER" - Kommentar von Michael Hufnagl: "Darf das wahr sein?"

Die positiven Seiten der Regierungs-Krise sind unsere Emotionen.

Wien (OTS) - Wie oft wurden Sie zuletzt gefragt "Und, was sagst
zur Regierung?" Wie oft haben Sie Ihre Antwort auf Leserbriefseiten wiedergefunden? Wie oft haben Sie den Kopf geschüttelt und laut formuliert:"Darf das wahr sein?" Ziemlich oft, und das ist gut.

Denn wo Verdrossenheit herrscht, ist zumindest Ignoranz fern. Wer schimpft, dem ist es nicht wurscht. Wer zur Emotion noch fähig ist, dem ist Politik nicht einerlei. Wer "Arbeit statt Streit" fordert, der lässt nicht einfach nur geschehen. Der ist bereit für Statements. Selbst wenn diese irgendwann darin gipfeln, nicht oder ungültig zu wählen. Also was ist mit uns geschehen in den Wochen des koalitionären Theaters? Wir führen Diskussionen und erstellen sachliche Pros und Contras. Wir machen uns Gedanken über Alternativen zu Gusenbauer und Molterer und spekulieren, ob Neuwahlen sinnvoll wären. Wir basteln neue Koalitionsvarianten und vertiefen unser Wissen bezüglich Wahlrechtsreform. Wir analysieren, warum die FPÖ aus der Krise sicher und die Grünen sicher wieder nicht Kapital schlagen werden. Und bei alldem sind wir vielleicht naiv, vielleicht ungerecht, vielleicht ahnungslos. Aber wir sind. Reden. Denken. Über Politik. So mies sie sein mag, sie erzeugt auch positive Energie: Der Stillstand bewegt uns.

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