- 20.03.2008, 09:42:27
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- OTS0057 OTW0057
Koliko smo, toliko smo Bericht über die Volksgruppenförderung 2006 liegt vor
Wien (PK) - Gemäß der Bundesverfassung sind Sprache und Kultur,
Bestand und Erhalt der in Österreich heimischen Volksgruppen zu
fördern, worunter nach dem Volksgruppengesetz auch entsprechende
finanzielle Aufwendungen zu verstehen sind. Über die so erfolgte
Subvention ist Bericht zu legen, und der Bericht über das Jahr 2006
(III-102 d.B.) wurde nunmehr dem Hohen Haus zugeleitet.
Ausgangslage
Weder die Volksgruppenorganisationen noch potentielle Förderungsgeber
können auf längere Sicht ihren finanziellen bzw. budgetären Spielraum
garantieren. Tendenziell sehen sich die Volksgruppen, und aufgrund
des geänderten gesellschaftlichen Verhaltens der Bevölkerung (z.B.
geringere Geneigtheit, sich Vereinen als aktive Mitglieder
anzuschließen) auch im besonderen Maße bestehende
Volksgruppenorganisationen, mit einer zunehmenden Überalterung ihrer
Angehörigen bzw. Mitglieder konfrontiert. Auch im Volksgruppenbereich
brechen vertraute Strukturen auf, verändern sich die
Prioritätensetzungen insbesondere des jüngeren Segments der
Volksgruppenangehörigen, verlangt der technisch mögliche Einsatz
neuer Medien und Instrumente der modernen Informationsgesellschaft
vermehrt ein Umdenken von Volksgruppenorganisationen sowohl in ihrem
Aktivitätensegment als auch im Bereich ihrer Infrastruktur.
In weiterer Folge werden eine kritische Überprüfung bestehender
Organisationsstrukturen und oftmals Reorganisationsmaßnahmen
erforderlich, dafür aber auch allenfalls neue Kooperationsformen
erschließbar. Selbstverständlich ist damit nicht die
Entscheidungsfreiheit jeder Volksgruppenorganisation hinsichtlich
ihrer Aktivitäten berührt; allerdings werden wie in allen
Lebensbereichen Fremdmittelabhängigkeiten gewisse Grenzen setzen.
Die Förderungsgerechtigkeit, die sich auch in der Aufteilung der
gesamten Förderungsmittel auf die sechs einzelnen Volksgruppen
ausdrückt, war stets ein besonderes Anliegen des Bundeskanzleramtes
und verlangt die Bedachtnahme auf viele Faktoren. Das
volksgruppengesetzlich vorgegebene Förderungsziel liegt im Erhalt und
Bestand der Volksgruppen. Das gesetzliche
Volksgruppenförderungssystem sieht daher keine einzelpersonbezogene
Förderung vor (bei der man an Zahlen aus der Umgangssprachenerhebung
der jeweiligen Volkszählung anknüpfen könnte), sondern eine
organisationsbezogene Förderung, bei der bestimmte Leistungen dieser
Volksgruppenorganisationen unterstützt werden sollen.
Im Sinne der Selbstbestimmung steht es jedem Volksgruppenangehörigen
frei, sich in eine Volksgruppenorganisation zu integrieren und deren
Angebote nachzufragen oder auch jede aktive Verbindung zu oder
Mitwirkung in Volksgruppenorganisationen zu unterlassen. Ausgehend
von dieser Betrachtungsweise wäre jedenfalls ein alleiniges Abstellen
auf Umgangssprachenerhebungen zu den auf die Volksgruppen
aufzuteilenden Gesamtförderungsmitteln sachlich nicht gerechtfertigt.
Auch die Mitgliederzahlen von Volksgruppenorganisationen können nicht
der Maßstab für die Förderungsgerechtigkeit sein. Oftmals sind
Mitgliederdateien nicht wirklich aktuell, die Mitgliedschaft zu
Vereinen oftmals nicht einmal den Personen bekannt, wenn keine
Mitgliedsbeiträge eingehoben werden oder Personen aufgrund eines
anlassfallbezogen geäußerten Interesses an Zusendungen ohne Weiteres
in Mitgliederdateien aufgenommen werden.
Andererseits besteht eine Reihe von Vereinen, die zur Verwirklichung
von Projekten mit besonderer Breitenwirkung und Bedeutung für große
Teile einer Volksgruppe einer unterstützenden Förderung bedürfen,
z.B. volksgruppensprachliche Kindergärten, alternativlose
Privatschule mit tschechisch-zweisprachigem Bildungszug von der
Kindergartenstufe bis zur Matura unter fakultativem slowakischem
Sprachangebot, vereinsorganisierte Lernhilfen zur Verhinderung von
Sonderschulzuweisungen von Volksgruppenkindern, Wochenzeitungen oder
sonst periodisch erscheinende Druckmedien in Volksgruppensprachen.
Viele volksgruppenspezifische Forschungsprojekte (vgl. etwa
historische Quellenforschungen, angewandte wissenschaftliche Studien
zum Zweisprachenerwerb, sonstige Sprachforschungen oder erstmalige
Volksgruppensprachaufzeichnungen und Syntaxbildungen) könnten ohne
Volksgruppenförderung und zurückgreifend auf bloß freiwillige
Zuwendungen interessierter Bevölkerungskreise sicherlich nicht
verwirklicht werden. Auch sind in manchen Bereichen stark voneinander
abweichende Bedarfsprofile in den sechs Volksgruppen zu bemerken; in
der Volksgruppe der Roma sind ausgehend von bildungsbezogenen
Prioritätensetzungen andere Schwerpunkte zu setzen als in
Volksgruppen, die mit ihrer Überalterung zu kämpfen haben und
attraktive Wege finden müssen, um das Jugendsegment ihrer Volksgruppe
nachhaltig für die Volksgruppensprache und die Volksgruppenkultur
interessieren zu können. Seitens der Volksgruppenorganisationen sind
daher das realistische Ausschöpfen von
Kostenselbsttragungspotentialen, ehrliche Reflexionen über den
nachhaltig wirksamen Erfolg der eingesetzten
Volksgruppenförderungsmittel und vor allem Prioritätensetzungen
dringend erforderlich.
Die Verfügbarkeit von Budgetmitteln ist nur ein - wenn auch
zweifellos bedeutsamer - Aspekt, um den Erhalt und Bestand der
Volksgruppen zu sichern und Volksgruppensprachen und -kulturen zu
erhalten. Ungünstigen gesellschaftlichen Entwicklungen kann jedoch
nicht allein mit finanziellen Mitteln begegnet werden - auch von
Volksgruppenangehörigen selbst zu setzende nichtmonetäre Maßnahmen
müssen erkannt und angewandt werden. Kooperationspotentiale - auch
grenzüberschreitende - müssen erkannt und genutzt werden;
Neuorientierungen und Modernisierungsschübe werden teilweise
erforderlich sein, um dem gesetzlich formulierten Ziel nahe zu
kommen. Nicht unzeitgemäße Einengungen, sondern Erweiterungen von
Identitäten werden dabei eine Rolle spielen.
Konkret wurden 2006 für die Volksgruppenförderung 3,77 Mio. Euro
aufgewendet, das ist exakt dieselbe Summe wie in den Jahren zuvor.
Die Förderung im Einzelnen
Um die Mittelverwendung im Bereich der Volksgruppenförderung
darzustellen, wurden die für die verschiedenen Projekte der einzelnen
Volksgruppen zur Verfügung gestellten Förderungen untersucht und
definierten Schlüsselbereichen zugeordnet. Wird beispielsweise für
eine Theaterproduktion eine gewisse Summe für Honorare, Druck und
Versand von volksgruppen- oder zweisprachigen Einladungsmaterialien
oder Kostüme zur Verfügung gestellt, so werden diese Positionen nun
zur Gänze in die Projektausgabenkategorie "Theater" hinein genommen.
Der dadurch mögliche Vergleich der Mittelverwendung durch die
Volksgruppenorganisationen der sechs Volksgruppen und das
Sichtbarwerden von Trends führt zu interessanten Ergebnissen.
Der gegenständliche Bericht über das Förderungsjahr 2006 ermöglicht
es auch, über den Zeitraum 2004 bis 2006 die Entwicklungen der
verschiedenen Kategorien zu verfolgen (siehe dazu die Grafiken und
Tabellen, die die Veränderungen im Zeitraum von 2004 bis 2006
darstellen). Das Hauptaugenmerk wird in der Analyse der
Volksgruppenförderung allerdings auf das Berichtsjahr 2006 gelegt.
Konkret wurden die geförderten Ausgaben entsprechend der
Voranschlagspost "Zuschüsse nach dem Volksgruppengesetz" und
"Sonstige Zuschüsse" geordnet und in weiterer Folge den Bereichen
Projekt- und Basisförderung zugeordnet. Die Förderungsmittel, die für
die Erhaltung der Infrastruktur der Volksgruppenorganisationen
aufgewendet wurden, bildeten die Kategorie Basisförderung und wurden
dort nach weiteren Ausgabenkategorien untersucht. Die
Förderungsmittel, die in die Verwirklichung konkreter Projekte
flossen, wurden unter der Kategorie "Projektförderung"
zusammengefasst und auf einer weiteren Untersuchungsebene nach den
Bereichen "Kinder-/Jugendförderung" und "Erwachsenenförderung"
analysiert.
Neben der Unterstützung der Volksgruppenorganisationen bei ihren
Personalkosten steht vor allem die Förderung von Druckwerken im
Vordergrund. Knapp 20 Prozent der Gesamtbudgetmittel werden für
diesen Zweck aufgewendet. Darunter fallen zum einen die zentralen
Medien der Volksgruppen - die "Novice" ("Neuigkeiten") der Slowenen,
die "Hrvatski Novine" ("Kroatische Nachrichten") der Kroaten, die
"Becsi Naplo" ("Wiener Tagebuch") der Ungarn und die "Videnske
svobodne listy" ("Wiener freie Blätter") der Tschechen -, sondern
auch Jahrbücher, Kalender und sonstige Publikationen aus dem Bereich
der Volksgruppen.
Diverseste Kulturveranstaltungen schlagen sich mit 4,5 Prozent des
Budgets zu Buche, während 3,64 Prozent für Musik ausgegeben wird.
Hierunter fallen traditionelles Liedgut ebenso wie moderne
Darbietungen in Form von Rock und Pop. Mehr als 7 Prozent werden für
die Kinder- und Jugendbetreuung ausgegeben, während sich das Theater
mit knapp mehr als zwei Prozent bescheiden muss. Weitere Mittel gab
es unter anderem für Volksgruppenforschung, Audio & Video, Volkstanz,
Trachtenkultur, Musikinstrumente und technische Ausstattung. Diese
Vergabepraxis wird in der Folge in mehrfacher Hinsicht spezifiziert,
sodass auch eine Zuordnung zu den jeweiligen Volksgruppen ermöglicht
wird. Eine detaillierte Aufstellung aller geförderten Vereine nach
Volksgruppen rundet den Bericht ab. (Schluss)
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