Neues Volksblatt: "Kraftakt" (von Christian Buchar)

Ausgabe vom 20. März 2008

Linz (OTS) - "Da steht der Bürger als armer Tor, und ist so klug als wie zuvor", ließe sich Goethes "Faust" zum großen Schweigen nach dem Krisengipfel der Koalition abwandeln. Was stimmt, aber trotzdem nicht ganz fair ist: Denn wer schweigt, stellt immerhin auch den Streit zurück. Und zu erwarten, dass ein Gespräch ausreicht, die jüngsten Zuspitzungen gleich wieder ad acta zu legen, war ohnedies illusorisch.
Außerdem ist nicht auszuschließen, dass das eingangs angeführte Zitat in abgewandelter Form auch auf die Verhandler selbst zutrifft. Neuwahlen noch vor dem Sommer sind mit der vereinbarten Fortsetzung der Gespräche nach Ostern zwar praktisch vom Tisch. Der Kitt für die Zerwürfnisse zwischen SPÖ und ÖVP ist aber noch längst nicht gefunden. Und es ist nicht sicher, dass dieser Kitt von den "Partnern" a) gefunden werden will bzw. b) überhaupt gefunden werden kann. Denn die Basis der Koalition war vom Start weg brüchig und ist durch Gusenbauers Steuer-Ultimatum noch weiter zerbröselt. Da ein Minimum an Vertrauen neu aufzubauen, bedarf es eines Kraftakts. Die haben es aber auch so an sich, dass sie selten dauerhaft durchgehalten werden.

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