Mexico dice no Gedenkveranstaltung an Mexikos Protest wider den "Anschluss"

Wien (PK) - Als einziges Land protestierte im März 1938 Mexiko gegen die Okkupation Österreichs durch deutsche Truppen. Auf Weisung von Präsident Lazaro Cardenas sprach sich der mexikanische Delegierte beim Völkerbund in aller Schärfe gegen die deutsche Invasion aus, womit sich Mexiko hervorragend um Österreich und das Völkerrecht verdient machte. Im Gedenken an Mexikos bedeutsame Rolle - auch als Zufluchtsland für viele von den Nationalsozialisten verfolgte Österreicherinnen und Österreicher - fand heute auf Einladung des Nationalratspräsidiums eine Gedenkveranstaltung im Hohen Haus statt, an der ein ebenso zahlreiches wie prominentes Publikum teilnahm.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer erinnerte an die Gedenksitzung des Nationalrates in der Vorwoche, bei der Bundespräsident Heinz Fischer bereits Bezug auf Mexikos Protest genommen hatte. Der 12. März 1938 gehöre zu den entscheidenden Brüchen unserer Geschichte, und Österreich müsse das Gedenkjahr dazu nützen, sich an die Mitverantwortung vieler Österreicherinnen und Österreicher zu erinnern. Aus der Erkenntnis, dass Österreich Mitverantwortung zu tragen habe, sei der Widerstand gegen den Nationalsozialismus umso mehr zu würdigen.

Mexikos Haltung sei in Österreich bis heute unvergessen, zumal sich Mexiko auch um zahllose Vertriebene und Verfolgte verdient machte, die in Mexiko Zuflucht fanden, und bis heute lebten viele Altösterreicher in jenem Land, das ihnen eine zweite Heimat wurde. Gerade im Gedenkjahr sollte sich Österreich seiner Rolle in der Geschichte bewusst werden, damit sich Entwicklungen wie jene, die zum März 1938 führten, niemals wiederholten, so Prammer abschließend.

Johannes Kyrle, Generalsekretär des BMEIA, sagte, Mexikos Protestnote legte den Grundstein für eine besonders intensive Freundschaft, war dies doch eine überaus seltene Stimme gegen die Aggressionspolitik Hitlers. Dieser öffentliche Protest und die offensive und aktive Solidaritätspolitik seien sichtbarer Ausdruck der Politik Mexikos in jener Zeit gewesen, schließlich fanden viele Verfolgte nicht nur Aufnahme, sondern auch die Chance auf ein neues Leben in Mexiko.

Mexiko sei letztlich das einzige Land gewesen, dass gegen die Okkupation protestiert habe, und es blieb auch danach standhaft. Hitler habe damit einen Akt gesetzt, der ihm einen Ehrenplatz unter den Nationen einbrachte. Der Protest hatte für Österreich eine besondere Bedeutung, und Österreich werde diese mutige Haltung immer in Erinnerung behalten, schloss Kyrle.

Mexikos Botschafter Alejandro Diaz y Perez Duarte skizzierte Bedeutung und Reichweite des mexikanischen Protests 1938, den er als Akt der Anklage, Identitätsstiftung und Verteidigung bezeichnete. Die historischen Entwicklungen des Jahres 1938 hätten schwerwiegende Konsequenzen für die Welt gezeitigt, gleichzeitig aber die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Mexiko und Österreich gestärkt und vertieft.

Andreas Schieder, der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses des Nationalrates, zog eine Bilanz der damaligen Politik Mexikos und wies darauf hin, welche Wichtigkeit Mexikos Protest auch heute noch habe. Mexikos Politik zeichnete sich durch einen grundsätzlichen Antifaschismus und eine konsequente demokratische und republikanische Grundhaltung aus, und das Land habe trotz einer schwierigen ökonomischen Lage viele Flüchtlinge aufgenommen. Österreich sei dankbar für diese Haltung und nehme die damalige Politik Mexikos als Beispiel für eine engagierte und aktive Außenpolitik.

Der Historiker Christian Kloyber beschrieb die Umstände des Zustandekommens der Protestnote und wies darauf hin, dass Mexiko zwischen 1940 und 1942 ungefähr 40.000 Flüchtlinge aufgenommen habe. Diese hätten sich in ihrer neuen Heimat frei entfalten können, ohne das Gefühl zu haben, Bürger zweiter Klasse zu sein. Kloyber wies darauf hin, dass Mexiko auch nach dem Krieg Solidarität mit Österreich übte und erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Mexiko 1952 einen Antrag an die Vereinten Nationen stellte, Österreich als souveränen Staat schnellstmöglich wiederherzustellen.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch das Wiener Kabinettorchester. (Schluss)

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