Offener Brief an den Vorstand der Ennstal Milch KG

Wien (OTS) - Verein österr. Grünland- und Rinderbauern
IG-Milch
Amesschlag 30
4190 Bad Leonfelden
office@ig-milch.at

Bad Leonfelden, am 19.03.08

Sehr geehrter Vorstand der Ennstal Milch KG!

Mit Erstaunen verfolgen wir die Medienberichte und das Vorgehen gegen unseren Sprecher im Ennstal, Michael Steiner. Ohne Michael Steiner die Möglichkeit zur Rechtfertigung zu geben, wurde er aus der Genossenschaft ausgeschlossen. Die Begründung des Ausschlusses mit "genossenschaftsschädigendem Verhalten" ist absurd.

Die Genossenschaften wurden als Selbsthilfeorganisation von Bäuerinnen und Bauern gegründet mit dem Ziel, ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern. In den letzten Jahren mussten wir erleben, dass auch die Genossenschaft in ihrer heutigen Organisationsform keine kostendeckenden Milchpreise ausbezahlen konnte. Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 2004 die IG-Milch gegründet, mit Michael Steiner als Mitglied der ersten Stunde. Seitdem wurde mit vielen Aktionen und Projekten erfolgreich versucht, den Erzeugermilchpreis zu erhöhen.

Die Analyse der Kräfteverteilung in der Wertschöpfungskette ergab, dass MilcherzeugerInnen mit einem Einzelvertrag mit der Genossenschaft keinerlei Möglichkeit haben, ihren notwendigen Anteil vom erzielten Verkaufspreis durchzusetzen. Deshalb wurden österreichweit bei Informationsveranstaltungen in einer offenen Diskussion mit Genossenschaftsfunktionären die Organisationsreform vorgestellt. In dieser Diskussion haben wir die Verarbeitungsbetriebe und Genossenschafts- oder Privatmolkereien immer als wichtiges Glied und Kunden für unsere Milch gesehen.

Leider mussten wir feststellen, dass dieses Vorhaben besonders von den Genossenschaftsmolkereien von Anfang an boykottiert wurde und mit feindseliger Art und Weise dagegen gearbeitet wurde. Die LieferantInnen wurden falsch informiert und unter Druck gesetzt nicht zu den Veranstaltungen zu gehen bzw. nicht an Liefergemeinschaften teilzunehmen.

Damit sehen wir uns in unserer Analyse bestätigt, dass die Genossenschaft nicht nur im Dienste der Eigentümer steht, sondern das Eigeninteresse als Unternehmen über dem wirtschaftlichen Interesse der Eigentümer steht. Die Genossenschaft wird defakto als Ein-Mann-Betrieb vom Geschäftsführer geführt, der jedoch keine Verantwortung trägt, den Vorstand mit gefilterten Informationen versorgt und ihn dann benützt, um seine Art der Geschäftsführung zu legitimieren. So kann jede falsche Entscheidung und jedes schlechte Verhandlungsergebnis über das Absenken des Erzeugermilchpreises repariert werden.

Deshalb werden wir auf keinen Fall den Ausschluss von Michael Steiner akzeptieren, der sich viele Verdienste für die Verbesserung der Erzeugermilchpreise erworben hat. Viel mehr schlagen wir nach den jüngsten Vorgängen eine Neubesetzung der Geschäftsführung der Milchgenossenschaft Ennstal vor. Die Erhöhung der sogenannten "Schüttgebühr" von 0,7 Cent auf 3 Cent /Liter Milch ist als klarer Angriff auf die wirtschaftliche Situation des Betriebes der Fam. Steiner zu werten. Sollte am Ausschluss von Michael Steiner festgehalten werden, sehen wir uns gezwungen mit juristischen Schritten und öffentlichen Aktionen dagegen vorzugehen.

Mit freundlichen Grüßen

IG Milch

Ewald Grünzweil Ernst Halbmayr
Obmann IG-Milch Projektleiter "A faire Milch"

Ergeht an:

Ennstal Milch KG
koller.walter@lge.at

Generalanwalt-Stv. Abg.z.NR Ökonomierat Bürgermeister Jakob AUER direktion@rvooe.raiffeisen.at

Landeshauptmann Franz Voves
franz.voves@stmk.gv.at

Landesrat Johann Seitinger
hans.seitinger@stmk.gv.at

Präsident ÖkR Gerhard Wlodkowski
gerhard.wlodkowski@lk-stmk.at

Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter (VÖM) voem@netway.at

Rückfragen & Kontakt:

Ewald Grünzweil
Obmann IG-Milch
Mobil: 0664 2023869

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