Brauner eröffnete "Leben! Juden in Wien nach 1945"

Wien (OTS) - "Diese Ausstellung zeigt einmal mehr, dass Wien ohne seine jüdische Gemeinde nicht Wien wäre", sagte Vizebürgermeisterin Mag. Renate Brauner bei der Eröffnung der Ausstellung "Leben! Juden in Wien nach 1945" im Jüdischen Museum Wien. Die Eröffnungsfeier stand auch ganz im Zeichen der Fotografin Margit Dobronyi, die vor wenigen Tagen ihren 95. Geburtstag feierte. Unter den Gratulanten befanden sich neben IKG-Vizepräsident Oskar Deutsch, der die Glückwünsche der Kultusgemeinde überbrachte, zahlreiche prominente Mitglieder, die im Anschluss an die Eröffnung in der Ausstellung selbst auf Spurensuche gehen konnten. Brauner zeigte sich erfreut, dass das Jüdische Museum gerade 70 Jahre nach dem so genannten "Anschluss" eine Ausstellung mit aktuellem zeitgeschichtlichen Bezug zeigt. Direktor Karl Albrecht-Weinberger bezeichnete das Archiv von Margit Dobronyi als zeitgeschichtliches Dokument von unschätzbarem Wert.****

Das Dobronyi-Archiv mit mehr als 150.000 Negativen wurde vom Jüdischen Museum vor wenigen Jahren angekauft und wird seither katalogisiert. Ruth Beckermann wählte rund 3.500 Fotos aus und gestaltete die Fotoinstallation, die einen vielschichtigen Einblick in das Leben der Wiener jüdischen Gemeinde nach 1945 bietet. Ruth Beckermann legte bei der Gestaltung den Schwerpunkt auf die Fülle des Materials. In der Endauswahl sind nunmehr mehr als 2.000 Fotos zu sehen, welche durch Filmausschnitte animiert und durch Video-Erzählungen verdichtet werden. In ihrem Eröffnungsstatement betonte die Filmemacherin, sie habe die Fotos allein nach subjektiven Kriterien ausgewählt. "Bei mir kommt es darauf an, ob etwas von einem Foto auf mich überspringt und mein Herz zum Klopfen bringt", bringt Ruth Beckermann ihren Zugang zum Projekt auf den Punkt.

Eine Frau dokumentiert mit der Kamera

Margit Dobronyi kam 1913 in Budapest zur Welt. 1956 floh sie wie viele ihrer Landsleute mit ihrer Familie von Ungarn nach Wien. Ihre ersten Fotografien, auf denen sie Hochzeiten, Bar Mizwas und andere Feste festhielt, entstanden bereits 1957. Auf den Bildern sieht man Menschen, von denen die meisten ebenso wie sie nach 1945 aus Osteuropa in diese "Stadt ohne Juden" geflohen waren und sich hier eine neue Existenz aufgebaut hatten. Denn den mehr als 180.000 Wiener Juden, die vor 1938 in dieser Stadt lebten, waren 1945 gerade einmal 2.000 übrig geblieben. Niemand erwartete, dass sich hier wieder eine jüdische Gemeinde entfalten könnte. Doch ausgerechnet Wien entwickelte sich in der Zeit des Kalten Kriegs und Wiederaufbaus zu einer kleinen, aber lebendigen Drehscheibe jüdischen Lebens in Europa. Zuerst kamen die Überlebenden aus den Konzentrationslagern, dann die Flüchtlinge aus den kommunistischen Nachbarstaaten. Viele zogen weiter nach Israel oder in die USA, aber einige schoben die Abreise immer wieder auf, gründeten Familien und Firmen und belebten die klein gewordene Gemeinde neu und ganz anders.

Margit Dobronyi war bei den meisten Festen der jüdischen Gesellschaft anwesend. Bei Bar Mizwas, Bällen, Hochzeiten und offiziellen Veranstaltungen erschien die kleine Frau mit dem großen Blitzlicht und fotografierte, ob sie nun einen Auftrag hatte oder nicht. Fünfzig Jahre später sind ihre Bilder kulturgeschichtliche Dokumente der zaghaften Etablierung einer jüdischen Gemeinde. Die Frau mit der Kamera wurde Zeugin, wie in den folgenden vierzig Jahren ein buntes jüdisches Leben im kleinem Maßstab mit großer Energie wieder in Wien auflebte. Ihre Bilder reflektieren das Lebensgefühl in der Wiener jüdischen Gemeinde der 1960er, 1970er und 1980er Jahre. Die von Ruth Beckermann gemeinsam mit Sergio Ramirez gestaltete Installation ist eine "work in progress", denn die wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation im Jüdischen Museum geht weiter.

"Leben! Juden in Wien nach 1945" ist von 19. März bis 22. Juni 2008 im Jüdischen Museum (1010 Wien, Dorotheergasse 11) zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit 320 Seiten und mehr als 250 großteils farbigen Fotografien im Mandelbaum Verlag (Preis von 24,90 Euro). Das zu den Kulturbetrieben der Wien Holding zählende Jüdische Museum ist von Sonntag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6,50 / 4,- Euro ermäßigt. Schulklassen haben freien Eintritt, Führungen und pädagogische Programme: Tel.: +43-1-535 04 31-311, 312 bzw. kids.school@jmw.at . Weitere Informationen zum umfangreichen Begleitprogramm sind unter www.jmw.at/ zu finden. (Schluss) sta

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