Ärztekammer überrascht über polemische Abwehrreaktion der Apotheker

Steinhart: "Politik beugt sich dem Druck einer Lobbying-Gruppe anstatt konkrete Vorschläge aufzunehmen"

Wien (OTS) - Mit "großer Verwunderung" registrierte Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart die in den vergangenen Tagen geäußerten polemischen Abwehr- und Verteidigungsreaktionen der Apotheker zu den jüngsten Einsparungsvorschlägen der Österreichischen Ärztekammer im Medikamentenbereich. Auch die von der Politik erteilte Absage der Pläne sei nicht nachvollziehbar. "Ständig ist die Rede von Reformen und Sanierungskonzepten - Wenn es jedoch zu konkreten Vorschlägen kommt, beugt man sich dem Druck von politischen Lobbys und spart die sensiblen Bereiche aus", kritisiert Steinhart. ****

Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts IMS Health liege Österreich beim Apothekeneinkaufspreis unter dem EU-Durchschnitt, beim Apothekenverkaufspreis jedoch über dem EU-Durchschnitt, betont der Vizepräsident. "Wenn es die Sozialpartner ehrlich mit einem Sanierungskonzept meinen, dann sollte man vielleicht auch diesen 'Zwischenhandel' einmal unter die Lupe nehmen", so Steinhart.

Immerhin spreche selbst die Wiener Gebietskrankenkasse von einem Kostenproblem bei den Medikamenten. "Die Verantwortlichen für diese explosionsartig steigenden Kosten in den Patienten oder Ärzten zu suchen, ist allerdings ein Zeichen besonderer Ignoranz", zeigt sich Steinhart verärgert.

Apotheker wollen Kontrolle, aber keine Verantwortung

Der Argumentation der Apothekerkammer, die belegen soll, warum die Berufsgruppe der Apotheker auch in der heutigen Zeit als Zwischenhändler ihre Daseinsberechtigung hätten, kann Steinhart gar nichts abgewinnen: Der hochgelobte Arzneimittelsicherheitsgurt sei ein "wunderbares Beispiel für die Pseudoeinmischung der Apotheker in ärztliche Belange".

Die Apotheker würden zwar gerne kontrollieren, allerdings ohne auch nur einen Funken an Verantwortung zu übernehmen. Die Verantwortung für die Verschreibung würde in jeder Beziehung immer nur bei den Ärztinnen und Ärzten liegen. Auch die Wochenöffnungszeiten von 50 Stunden lässt Steinhart nicht als Argument gelten: "Diese Erreichbarkeit besteht nur deswegen, weil die Apotheker mit Angestellten fungieren. Die Ärztekammer hat immer wieder konstruktive Vorschläge eingebracht, wie man in diesem Bereich auch in Ordinationen agieren könnte."

Von der Abschaffung der Apotheken sei nie die Rede gewesen. "Es geht in unserem Vorschlag lediglich um ein Abgaberecht einer Liste von bestimmten rezeptpflichtigen Medikamenten, die mit der Gebietskrankenkasse zu vereinbaren wären. Das spart Kosten und den Patienten einen zusätzlichen Weg. Die bisherigen Reaktionen der Patienten in unseren Ordinationen bestätigen uns eindrucksvoll in diesem Vorschlag", so Steinhart abschließend.

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