NÖ Ärztekammer warnt vor zunehmender Verflechtung von Schicksal und Schadenersatz

Mittelfristig könnten "rechtsanfällige" Behandlungen in Gefahr sein

Wien (OTS) - Der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, zeigte sich bestürzt über das seit kurzem bekannte Urteil des Obersten Gerichtshofs, wonach den Eltern für eine in der Schwangerschaft fehlerhaft übersehene Behinderung ihres Kindes ein Schadenersatzanspruch im Umfang sämtlicher Lebenshaltungskosten zugesprochen wurde.Ganz im Sinne der Stellungnahme der ÖÄK spricht er sich für eine notwendige Entflechtung von Schadenersatzrecht und schicksalhaften Gegebenheiten aus: "Wenn sich solche Fälle häufen, werden Teilbereiche unseres Gesundheitssystems zerstört." Reisner verweist auf die USA, wo besonders "rechtsanfällige" Gesundheitsdienstleistungen immer weniger angeboten werden und für die Ärzteschaft auch nicht mehr versicherbar sind.

Ärztinnen und Ärzte sind durch den Entscheid des Höchstgerichtes nun dazu gezwungen, werdende Eltern schon bei geringstem Verdacht nachweislich auf die potenzielle Behinderung ihres Kindes und die Möglichkeit einer Schwangerschaftsunterbrechung hinzuweisen. "Dies ist nicht nur ethisch bedenklich, sondern könnte mittelfristig auch für die Patientinnen und Patienten anderer Fachbereiche fatale Folgen haben. "Wenn die Ärzteschaft eine Behandlung aufgrund des hohen Risikos einer Schadenersatzforderung überhaupt nicht mehr durchführen könnte, wäre das Kind mit dem Bade ausgeschüttet", so Reisner abschließend.

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