Einsparpotenzial von Dispensierrecht muss geprüft werden

NÖ Ärztekammer erkennt deutliche Vorteile für die Versorgung durch Medikamentenabgabe in Arztpraxen

Wien (OTS) - Der Präsident der NÖ Ärztekammer, Dr. Christoph Reisner, zeigt sich hocherfreut, dass die Diskussion rund um die Arzneimittelvergabe in Arztpraxen wieder aufkeimt. Reisner hatte dem Gesundheitsministerium schon 2006 ein ausgearbeitetes Konzept für ein modernes Dispensierrecht für Ärzte vorgelegt, jedoch leider ohne Resonanz durch die damalige Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat. "Ich habe bereits damals auf die enormen Vorteile für die Patientenschaft sowie das massive Einsparpotenzial hingewiesen", so Reisner.
Nun wurde der Ruf nach Medikamentenabgabe in den Ordinationen wieder aktuell, laut Österreichischer Ärztekammer liege darin eine Einsparmöglichkeit von 250 Millionen Euro pro Jahr. "Das ist ein Betrag, der eine Auseinandersetzung mit dem Thema schlicht und einfach erfordert, in Zeiten wo das öffentliche Gesundheitssystem nicht mehr zu finanzieren scheint."

Wenig anfreunden kann sich Reisner mit der von der Apothekerkammer kommenden Kritik, Ärzte könnten die Rund-um-die-Uhr-Versorgung niemals aufrechterhalten, die angeblich in Österreich existiert:
"Unser Ansatz bezieht sich ausschließlich auf rezeptpflichtige Arzneimittel. Für die Abgabe dieser Medikamente ist es jedoch erforderlich, dass der Patient vor Rezeptierung und Abgabe zum behandelnden Arzt kommt. Ärzte, die auf Urlaub sind, können also kein Argument gegen ein Dispensierrecht für Ärzte sein. Ganz im Gegenteil:
Nur bei Ärzten mit Dispensierrecht ist gewährleistet, dass die Versorgung mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln immer sichergestellt ist."

So sind viele Apotheken eben nicht rund um die Uhr dienstbereit, was gerade auf dem Land zu enormen Problemen führen kann. "Die NÖ Ärztekammer tritt jedoch keinesfalls für eine Abschaffung der öffentlichen Apotheken ein, sondern für eine Koexistenz von Apotheken und Ärzten mit Dispensierrecht", stellt Reisner klar.

Im Vordergrund aller Überlegungen sollte immer die Patientenschaft stehen. Die derzeitige gesetzliche Regelung trifft gerade die Schwächsten der Gesellschaft, nämlich ältere und immobile Patientinnen und Patienten, Mütter mit kleinen Kindern sowie Menschen mit Schmerzen. "Es ist nicht verständlich, wenn etwa Infusionen für Menschen, die sich vor Schmerzen kaum bewegen können, nicht in den Ordinationen abgegeben werden dürfen", so Reisner.
Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine Vereinfachung der Medikamentenabgabe abseits der derzeitigen, antiquierten Gesetzeslage Nachteile für Patientinnen und Patienten bringen könnte. "Die auch von der EU-Kommission geforderte Liberalisierung der Medikamentenabgabe würde genau aufzeigen, wo sich der Patient am besten mit Medikamenten versorgt fühlt", so Reisner abschließend.

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