"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Gusis Kampf ums Überleben" (Von Frank STAUD)

Alfred Gusenbauer ist der am öftesten totgesagte Politiker Österreichs. SPÖ-intern rasseln die Säbel. Ausgabe vom 17. März 2008

Innsbruck (OTS) - Alfred Gusenbauers Zeit als Obmann der SPÖ war eigentlich schon am 30. September 2006 zu Ende. Denn niemand, auch innerhalb der Sozialdemokratie, traute dem Niederösterreicher zu, Wolfgang Schüssel vom Thron zu stoßen.
Doch Gusi überraschte Freund und Feind und holte trotz Bawag und Co. für die SPÖ den Kanzler zurück. Schüssels Retourkutsche folgte prompt. Bei den Regierungsverhandlungen nahm ihm der Altmeister Innen-, Außen- und Finanzministerium ab, die Studiengebühren blieben aufrecht und von einer Eurofighter-Abbestellung war keine Rede mehr. Sogar Karl-Heinz Grasser als Vizekanzler hätte Gusenbauer akzeptiert, um sich seinen Lebenstraum vom Bundeskanzler zu erfüllen. Seither kommt die SPÖ nicht zur Ruhe. Gusenbauer wird parteiintern geduldet, aber nicht geliebt. Auch sein Hang zu Luxusurlauben wird in der Basis wenig goutiert.
Zuletzt war der passionierte Weinliebhaber und Jogger so in der Enge, dass er zum Befreiungsschlag ausholte. Mit dem Vorziehen der Steuerreform wollte er vor allem den Genossen zeigen, dass er das Heft des Handelns in der Hand hält.
Seit seinem Sager über das "Gesudere" droht das Fass jedoch überzulaufen. Selbst enge Weggefährten wie Franz Voves verteidigen Gusenbauer nicht mehr wirklich. In der Wiener SPÖ wird schon lange darüber spekuliert, wie man den Obmann elegant loswerden könnte. Doch trotz schwacher Umfragewerte und schlechter interner Stimmung stellt sich die Frage, ob es sich die SPÖ leisten kann, einen amtierenden Bundeskanzler abzuschießen. Daher ist wahrscheinlicher, dass Gusenbauer sich bis zum Parteitag im Oktober rettet.

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