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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Aufstand in Tibet: Jetzt werden Spiele in China blutiger Ernst" (von Nina Koren)
Ausgabe vom 15.03.2008
Graz (OTS) - Es ist schon erstaunlich, dass es ausgerechnet der
nicht gerade als Held bekannte britische Prinz Charles ist, der
Courage an den Tag legt: Der Thronfolger kündigte schon vor Wochen
an, er werde nicht zu den Olympischen Spielen nach Peking fahren -
wegen der Art und Weise, wie China mit den Tibetern umspringt.
Die chinesische Regierung ist seit Monaten damit beschäftigt, die
Spiele zum PR-Spektakel zu machen. Da müssen streunende Katzen und
Hunde von den Straßen weichen, da werden neue Wälder aus dem Boden
gestampft - und sogar der Everest gesperrt, um frei von Demonstranten
und möglichst romantisch das Olympische Feuer auf den höchsten Berg
der Welt tragen zu können. Doch alles umsonst: Es sind ausgerechnet
die seit Jahrzehnten von Peking unterdrückten Tibeter, die nun mit
ihrem ersten großen Aufstand seit zwei Jahrzehnten das Face-Lifting
des offiziellen Chinas zerstören - und dafür die volle Härte der
chinesischen Polizeigewalt zu spüren bekommen.
Die Tibeter kennen das wahre Gesicht des Regimes genau: willkürliche
Verhaftungen, Folter, Zwangsarbeit. In Tibet wurden Klöster zerstört
und tausende Chinesen angesiedelt, um die Tibeter zur Minderheit zu
machen. Der Dalai Lama, der stets den friedlichen Weg des Protestes
suchte, spricht von Zwangsabtreibungen, Zwangssterilisationen und
einem kulturellen Völkermord. Die Tibeter wollten die Zeit, in der
die Scheinwerfer der internationalen Presse verstärkt auf China
gerichtet sind, nutzen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.
Doch jetzt, so scheint es, ist die Situation auf dem Dach der Welt
außer Kontrolle geraten.
Im Westen machten sich manche Hoffnungen, die Spiele würden zu einer
Öffnung Chinas beitragen. Das kommunistische Regime dagegen nutzt
sie, um den eigenen Herrschaftsanspruch zu legitimieren. Vor den
prestigeträchtigen Spielen hat Peking die Daumenschrauben noch fester
angezogen.
Einmischung von außen ist und bleibt auch in Zukunft unerwünscht. Das
funktioniert aus chinesischer Sicht bisher auch sehr gut:
Unterstützung für das politische Projekt einer Autonomie für Tibet
hat Seltenheitswert. Ernsthaft anlegen mit dem gelben
Wirtschaftsgiganten will sich keine Regierung.
Die Entscheidung für China als Austragungsort war ein weiterer
Schritt in diese Richtung. Man muss kein britischer Prinz sein, um zu
erkennen: Wer zu den Olympischen Spielen fährt, spielt das Spiel des
chinesischen Regimes mit. Und dieses ist an der Oberfläche schön und
drunter blutig. ****
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