"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Der Tanz ums tolle Telefon" (Von Irene HEISZ)

Ausgabe vom 14. März 2008

Innsbruck (OTS) - Das iPhone ist da. Darauf haben wir gewartet.
Gut, manche von uns dringender als andere. Aber der kindliche "Will ich auch"-Reflex steckt nicht nur in Early Adopters, die stets als Erste haben müssen, was die wunderbare Welt der elektronischen Spielzeuge hergibt.

Der Begriff "Kult" definiert eigentlich eine religiöse Praxis. Das iPhone war bereits ein Kult-Objekt, lange bevor es zunächst in den USA tatsächlich auf den Markt kam. Schon 1999 hat Apple die Internet-Adresse www.iphone.org angemeldet; der Computerriese hat seit gut zehn Jahren an der Entwicklung und Markteinführung der Weltreligion gearbeitet - mit Appetitanregern und Dementis, mit der Strategie, pro Land nur einen Anbieter zuzulassen, mit saftigen Preisen. Geheimnisse und Mythen, Exklusivität und Opferrituale sind eben fixe Bestandteile jeder Religion. Und der Marktwirtschaft. Darauf zu warten, dass sich ein Produkt im Gebrauch als unverzichtbar für genügend Konsumenten erweist, also tatsächlich Kult-Charakter erhält, ist in den Plänen von Börse-Analysten nicht vorgesehen.

Die Frage ist deshalb niemals: Was brauche ich?, sondern immer nur: Was will ich haben? Wir wollen, hat man uns gesagt, Smartphones. No na. Jetzt schon sind 99 Prozent der Menschen dümmer als ihre Handys - auch ohne iPhone, zu dem Gläubige, die es ernst meinen, ein 300 Seiten starkes Handbuch kaufen.

So gescheit wie das iPhone sind etliche andere Telefone schon lange. Das Time Magazine kürte es dennoch zur Erfindung des Jahres 2007. Begründung: Es ist hübsch. Und ungeheuer schick. Hat man uns gesagt.

Genügt das nicht? Doch, das tut es. Fragen Sie doch einmal Steve Jobs und die Apple-Aktionäre.

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