Neues Volksblatt: "Ich oder ich" (von Christian Buchar)

Ausgabe vom 14. März 2008

Linz (OTS) - Wer ist stärker? Ich oder ich? Und im Zweifelsfall am besten keiner von beiden. Was hier so wenig ernsthaft klingt, beschreibt de facto das Dilemma, in das Interessenvertreter geraten können, wenn sie als Mandatar in Kollision mit der Parteiräson geraten. Ein Paradebeispiel dafür lieferte nun der oberste SPÖ-Gewerkschafter Wilhelm Haberzettl. Am Dienstag war die vida, jene Teilgewerkschaft, in der Haberzettl Vizechef ist, gegen die Kompetenzausweitung für 24-Stunden-Betreuer und zugleich gegen Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky sogar demonstrierend durch Wien gezogen. Gestern, als die SPÖ im Nationalrat dieser Reform zustimmte, entzog sich Haberzettl in seiner Funktion als SPÖ-Mandatar der Abstimmung und fehlte einfach im Plenum. So macht man sich mit einem Schlag als Gewerkschafter und auch als NR-Abgeordneter unglaubwürdig. Wobei die Gewerkschafts-Proteste grundsätzlich hinterfragenswert waren: Denn aus der Erlaubnis für Betreuer, auf ärztliche Anweisung klar definierte medizinische Aktionen setzen zu dürfen, die für Angehörige selbstverständlich sind, gleich die professionelle Pflege am Ende zu sehen, hat mehr mit Polemik als mit Realität zu tun.

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