WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Freut euch über den schwachen Dollar - von Robert Gillinger

Abrupte Dollar Stärke wäre fatal

Wien (OTS) - Der US-Dollar verliert für uns Euro-Zahler immer mehr an Wert. Außer von der Tourismusbranche (Urlaub in den USA boomt) hört man in diesem Zusammenhang eigentlich nur Gezeter: angefangen von der Exportwirtschaft (dabei sind unsere Exporte in den Dollar-Raum deutlich geringer als die in den Euro-Raum) bis hin zu Notenbanken (die einem schwindenden Wert ihrer Dollar-Reserven zusehen müssen) wird die mittlerweile zum Greenbackerl mutierte US-Devise tendenziell als Bedrohung für Europa und Österreich gesehen. Stimmt alles. Trotzdem müssen wir hoffen, dass der Dollar nicht, zumindest nicht abrupt, wieder zu alter Stärke findet und gen Kaufkraftparität steigt, die derzeit bei etwa 1,10 US-Dollar je Euro liegt, statt den aktuellen rund 1,56. Denn was hätten wir dann für eine Inflation? Als Beispiel sei "nur" der Ölpreis erwähnt: Auf Dollar-Basis verteuerte sich Öl von Jänner 2007 bis Jänner 2008 um 68 Prozent. Dank des schwachen Dollars reduzierte sich der Anstieg auf Euro-Basis auf 49 Prozent. Damit steuerten Mineralölprodukte, die im VPI-Warenkorb mit mageren 4,4 Prozent gewichtet sind, dann trotzdem einen ganzen Prozentpunkt zur Jänner-Inflationsrate von 3,3 Prozent bei; ohne einen schwächeren Dollar läge die Teuerung somit schon nahe 4,0 Prozent. Da sei sogar noch gesagt, dass Mineralölprodukte auf Jahresbasis um vergleichsweise milde 23 Prozent gestiegen sind, es also durchaus noch Nachholeffekte geben dürfte, die die Inflation ohnehin weiter treiben. Wenn jetzt also der Dollar Richtung Kaufkraftparität fallen sollte, würde sich der Einkauf von Öl für uns Euro-Zahler erst richtig verteuern und aus dem 3er vor dem Komma der Inflationsrate könnte schnell ein 5er werden. Das auch, da der eine Prozentpunkt zusätzliche Inflation nur dem direkten
Preisanstieg von Mineralölprodukten zu verdanken ist, nicht eingerechnet sind indirekte Effekte, etwa höhere Chemikalien- oder Nahrungsmittelpreise.

All das sollte von all jenen bedacht werden, die die EZB zur Abkehr ihrer Politik zwingen wollen - zur Zinssenkung, um den Euro gegen den Dollar zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln. All jenen, die sich vor einem weiter schwächelnden Dollar fürchten, seien statt nichts bringendem Raunzen Kurssicherungsgeschäfte angeraten. Deren Kosten sind wegen des mittlerweile in den USA tieferen Zinsniveaus im Vergleich günstig. Jedenfalls günstiger als durch hausgemachte Inflation die ganze Volkswirtschaft zu schädigen...

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