Patienten wollen Hausapotheken beim Arzt

Neun von zehn Befragten sind für ein Nebeneinander von Hausapotheken und öffentlichen Apotheken

Wien (OTS) - Eine Umfrage einer großen Regionalzeitung bestätigt nun das, was die niederösterreichischen Landärzte gemeinsam mit der Ärztekammer schon lange fordern: 89 Prozent sprechen sich für eine Weiterführung der ärztlichen Hausapotheken aus, auch wenn in der Nähe eine öffentliche Apotheke aufsperrt. "Der Bevölkerung sind die Interessen einzelner Lobbys egal, sie fordert immer stärker die Wahrung der Patienteninteressen im Sinne guter ärztlicher Versorgung", zeigt sich Dr. Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer für Niederösterreich, erfreut.

Der Umfrage vorausgegangen war der Tag der Landmedizin, der mit großem Erfolg und umfangreicher Resonanz der Bevölkerung vergangene Woche in Wilfersdorf im Weinviertel stattgefunden hat. Anlass war die vor Ort mittelfristig bedrohte ärztliche Versorgung durch eine Novelle des Apothekengesetzes. Aufgrund der bestehenden Gesetzeslage darf eine ärztliche Hausapotheke nach einer Praxisübergabe nicht weitergeführt werden, wenn die Ordination im Umkreis von sechs Kilometern von einer öffentlichen Apotheke liegt. Dies würde in Wilfersdorf in einigen Jahren dazu führen, dass sich im Ort kein Hausarzt mehr niederlassen wird.

Die NÖ Ärztekammer fordert daher eine Reparatur des Gesetzes und die Abschaffung der völlig antiquierten Schutzzonen rund um öffentliche Apotheken. "Eine Parallelstruktur von öffentlichen Apotheken UND ärztlichen Hausapotheken würde die bestmögliche Versorgung für den Patienten garantieren", fasst Dr. Reisner die Problematik zusammen. Der Hausapothekenreferent der NÖ Ärztekammer, Dr. Gerhard Imb, spricht sich ebenfalls für die Überarbeitung des Gesetzes aus: "Die Rechte von alten Menschen, jungen Müttern, pflegebedürftigen und kranken Menschen müssen im Vordergrund stehen."

Gewehrt haben sich naturgemäß die Apotheker, die sich in ihrer Erwerbsausübung bedroht sehen. Bereits vor der Veranstaltung warf man der Ärzteschaft via Presseaussendung vor, die Bevölkerung im Sinne eigener finanzieller Interessen zu verunsichern. Eine Vorgangsweise, die für den Medikamentenreferenten der NÖ Ärztekammer, Dr. Wolfgang Geppert, inakzeptabel ist. "Hier geht es nicht um Geld, sondern um den Fortbestand einer bestens etablierten medizinischen Versorgungsstruktur, die sich auf dem Land sehr bewährt hat." Oft sind Patienten auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, die nur selten fahren. Andere haben zwar ein Auto, sind aber so krank, dass sie nicht mehr fahren können oder dürfen.

Nun ist die Politik gefordert, die Interessen und Wünsche der Bevölkerung zu berücksichtigen und die gesetzlichen Voraussetzungen für deren Umsetzung zu schaffen.

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