Vranitzky: Hitler muss immer wieder besiegt werden

"Nacht des Schweigens" - Gedenken an Opfer des Nazi-Regimes

Wien (SK) - "Alle die hier stehen können sagen: Wir haben den Verbrecher Adolf Hitler besiegt. Aber seien wir wachsam, wir müssen ihn immer wieder besiegen. Und das werden wir auch tun", betonte Alt-Bundeskanzler Franz Vranitzky am Mittwoch Abend im Rahmen der Gedenkveranstaltung "Nacht des Schweigens" auf dem Wiener Heldenplatz, wo 80.000 Kerzen von den Besuchern der Veranstaltung in Erinnerung an die Opfer des Naziregimes entzündet wurden. An der Gedenkveranstaltung nahm auch eine Abordnung der Bundesregierung teil, gemeinsam mit Bundeskanzler Alfred Gusenbauer gedachten Frauenministerin Doris Bures, Justizministerin Maria Berger, Unterrichtsministerin Claudia Schmied und die beiden Staatssekretärinnen Heidrun Silhavy und Christa Kranzl des Anschlusses Österreichs an Hitler-Deutschland. ****

"Es gibt viele Plätze auf der Welt, wo Geschichte geschrieben wurde. Der Wiener Heldenplatz ist so einer", so Vranitzky weiter. Hier habe Hitler verkündet sein Land "heimgeholt" zu haben, dies sei der Untergang Österreichs gewesen. "Und all das geschah unter Androhung von Gewalt", einerseits habe es die "äußere Gewalt" durch die einmarschierenden Wehrmachtstruppen gegeben, andererseits die "innere Gewalt", die durch Nazizellen mittels Bespitzelung, Drohung und Verrat ausgeübt wurde. Grundlose Verhaftungen, Demütigung, Qual, Folter und Mord seien Methode im Naziregime gewesen, zahlreiche Personengruppen, seien es Juden, Roma, Sinti, Homosexuelle, Sozialdemokraten und Christlichsoziale, "waren vom Tod bedroht. Nicht nur bedroht, sie waren dem Tod geweiht".

"Wir Gedenken heute der Millionen Toten und wir äußern Befriedigung über die Bestrafung der Täter", bemerkte Vranitzky, fügte aber hinzu, dass bei der Bestrafung der Täter auch heute noch manches offen sei. Siebzig Jahre seien jetzt vergangen, so der ehemalige Bundeskanzler und viele würden sagen, mit der Wiedergutmachung müsse endlich Schluss sein. "Aber in Wirklichkeit gibt es keine Wiedergutmachung", denn mit keiner Maßnahme könne das Leid ungeschehen gemacht werden oder Tote wieder zum Leben erweckt werden.

Vranitzky wies drauf hin, dass "trotz der schwierigen Verhältnisse in den Konzentrationslagern etwas gewachsen ist", nämlich der Gedanke, wie ein friedliches Europa entstehen könne. Schon in den letzten Jahren des Krieges hätten sich zahlreiche Personen mit dem "Grundgedanken der europäischen Einigung" auseinandergesetzt. "Es ist an mir, mich zu bedanken, dass sie alle dieses europäische Einigungswerk verstärkt haben", so Vranitzky in Richtung des Publikums. Denn auf Grundlage des Verständnisses des europäischen Einigungswerkes könne man in Frieden existieren und "so leben, dass die menschenverachtenden Auswüchse der Vergangenheit angehören".

Mailath-Pokorny: Opfertheorie verhöhnt tatsächliche Opfer

"1938 ist nicht einfach passiert. Der Anschluss war ein Äußerer. Der Innere ist schon vorangegangen", sagte der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny. Es sei skandalös, dass man auch heute noch davon sprechen könne, dass Österreich das erste Opfer des Hitlerregimes war, so der Kulturstadtrat, "denn die Opfertheorie verhöhnt die tatsächlichen Opfer". Vielmehr sei der Ständestaat der "Totengräber" des demokratischen Österreichs gewesen. (Schluss) sw

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