Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka: Mit vereinten Kräften im Kampf gegen Doping

"SPORT:DIALOG" - "Der verratene Sport - Herausforderungen im Kampf gegen Doping" mit Prof. Dr. Werner Franke, Trixi Schuba und Toni Innauer

Wien (OTS) - "Den Kampf gegen Doping gewinnen wir nur gemeinsam
oder gar nicht. Sportler, Betreuer, Sportverbände, Ärzte, Sponsoren, Veranstalter, Medien und die Politik sind gefordert, gemeinsam im Interesse der Zukunft des Sports diesen Kampf mit aller Entschiedenheit zu führen", so Sportstaatssekretär Dr. Reinhold Lopatka beim "SPORT:DIALOG - Doping" im Haus des Sports. Der deutsche Dopingexperte Prof. Dr. Werner Franke diskutierte mit den Olympiasiegern Trixi Schuba und Toni Innauer über die Herausforderungen im Kampf gegen Doping. Dopingfälle seien aber sicher kein spezifisch österreichisches Sportproblem, sondern ein weltweites in zahlreichen Sportarten. Hier hinke man als "Jäger" immer hinterher. Werner Franke sei ein "mutiger und unerschrockener Kämpfer" auf diesem Weg, betonte Lopatka. Der spektakuläre Fund von insgesamt knapp 1,3 Tonnen verbotener Substanzen, davon 744 Kilogramm verschiedener Anabolika, in Deutschland zeige, wie wichtig es sei, den Doping-Kampf konsequent zu führen. "Mit der strafrechtlichen Verschärfung des Arzneimittelgesetzes in Österreich setzen wir einen weiteren wichtigen Schritt."

Mit Werner Franke sei es gelungen, einen international anerkannten Fachmann nach Österreich zu holen. Der 68-jährige zählt zu den renommiertesten deutschen Zell- und Molekularbiologen. Der frühere Leichtathlet und Trainer arbeitet am Deutschen Krebsforschungszentrum der Universität Heidelberg und hat sich wie kein anderer deutscher Wissenschaftler dem Kampf gegen Doping verschrieben. Lopatka lobte Franke als "Aufklärer für die Öffentlichkeit" und als "Feind der Missbraucher der Wissenschaft". Toni Innauer und Trixi Schuba, "beide Olympiasieger, Sportfunktionäre, die in verantwortungsvollen Positionen tätig sind. Sie kennen die Welt der Sportler, Betreuer und Funktionäre und sie haben die Entwicklung der Doping-Problematik über viele Jahre mitverfolgt."

Die österreichische Bundesregierung habe mit dem neuen Anti-Dopinggesetz 2007 und der NADA Austria klar signalisiert, "wir wollen unsere Position als konsequenten Verfechter eines Anti-Doping-Kurses glaubwürdig rechtlich absichern", so der Sportstaatssekretär. "Mit verschärften strafrechtlichen Bestimmungen, die noch vor dem Sommer im Parlament beschlossen werden sollen, sind wir auf einem guten Weg." So könne die neue Nationale Anti-Doping Agentur im operativen Bereich unabhängig von den Sportverbänden ihre Arbeit mit weit reichenden finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen noch vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Peking beginnen. Mehr Geld für Information und Kontrollen erleichtern den Start: "Die Bundesregierung hat die Mittel auf 1,2 Millionen Euro verdoppelt", sagte Lopatka.

Der Hauptreferent des Abends, Dr. Werner Franke, gab in seinem mehr als einstündigen Referat einen Abriss über die Geschichte des Dopings und des öffentlichen Umgangs mit Dopingvorwürfen. Schwerpunktmäßig schilderte er Fälle in Deutschland, der DDR und Österreich. Deutlich zeichnete er die engen Verbindungen zwischen Sportverbänden, Sportfunktionären, der Politik, Wissenschaftern und Medien nach. Dieses "Netzwerk im öffentlichen Auftrag", so Werner Franke, sei ein "Verbrechen an der Jugend". Scharf kritisierte er vor allem die "intellektuellen Täter" und plädierte für eine neue Verantwortungsethik in der (Sport-)Medizin. Die Stellung der Sportler in diesem System bezeichnete er als "Objekte, Getriebene und Abhängige". Franke: "Sportler sind immer Opfer des Dopings. Stellen wir uns auf die Seite der Sportler und nicht eines Nationalismus, dem Medaillen mehr wert sind als die Gesundheit unserer Jugend."

Trixi Schuba rief ebenfalls zu einem Sport ohne Doping auf: "Wir müssen die Jugend dazu animieren, Leistungen ohne Doping zu erbringen." Ihr Appell richtete sich an Trainer, Funktionäre, Eltern und Medien, "denn Doping schadet nicht nur dem Einzelnen und seiner Gesundheit. Doping schadet dem Sport als Ganzes". Toni Innauer sprach sich für eine "neue Kultur der Fairness" für den "Patient Spitzensport" aus. Wichtiger aber seien im Kampf gegen Doping, so Innauer, vor allem ausreichende gesetzliche Grundlagen. Innauer: "Wir brauchen klagbare Fakten, die Doping als Körperverletzung qualifizieren." Aufgabe des Sports sei es, ein Reglement und Wettkampfbedingungen mit u.a. genügend Regenerationszeiten zu schaffen, "damit es für saubere Athleten machbar ist, gedopte Kollegen zu schlagen".

Mit dem "SPORT:DIALOG" wolle er, Lopatka, einen Beitrag zu diesem sportpolitischen Thema leisten, "indem wir sachlich diskutieren, uns offen mit der Doping-Problematik auseinandersetzen". Österreich habe Nachholbedarf gehabt, erst durch die Blutdoping-Affäre bei den Olympischen Spielen von Turin 2006 habe ein "Wachrütteln" stattgefunden. Die Politik könne den rechtlichen Rahmen schaffen, schlussendlich liege es aber am Sport selbst, den Verbänden, sich an die Spielregeln zu halten. Anders als Doping-Experte Werner Franke in seinem neuen Buch "Der verratene Sport" komme er, Lopatka, nicht zum Schluss: "Der Sport ist tot. Doping hat ihn kaputt gemacht." "Der Sport hat Zukunft. Doping, Gewalt und Rassismus, die drei großen Gefahren im Sport, sind allerdings kompromisslos zu bekämpfen. Wir sind auf dem Weg, aber noch lange nicht am Ziel!", so Lopatka abschließend.

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