Kritzinger: "Lernen aus der Geschichte: Sich einmischen und nicht wegsehen, was rundum passiert"

Bundesratspräsident bei Gedenkveranstaltung: "Als Zehnjähriger 1938 selbst miterlebt"

Wien (ÖVP-PK) - Als einziger der Redner der Gedenkveranstaltung im Parlament (Reichsratssaal) aus Anlass des 70. Jahrestages des Einmarschs deutscher Truppen in Österreich hat Bundesratspräsident Helmut Kritzinger den 12. März 1938 selbst miterlebt, als "ein Kind von nicht einmal zehn Jahren im Südtiroler Sarntal". Es seien daher "Erinnerungen eines Kindes" und "gleichsam von außen". Einerseits erinnere er sich an "den Jubel in Wien" und "die Freude vieler darüber in Südtirol", andererseits aber auch an "die Hartnäckigkeit und Kritik gegenüber Faschismus und Nationalsozialismus bei den Gruppen um mutige Dorfpfarrer und Mesner". ****

Was dieser Tag allerdings für Österreich selbst bedeutet hat, habe er erst später erfahren und erst in Österreich sei ihm bewusst geworden, "was diese Ereignisse für meine Generation bedeutet haben und was sie in ihnen bewirkten". So habe er "in vieler Hinsicht die Vergangenheit eines anderen Landes kennen lernen" müssen, sagte Kritzinger und zog eine Parallele zu heutigen Kindern, Jugendlichen und vielen Erwachsenen in Österreich, für welche die Vergangenheit "zu einem anderen Land geworden" sei, weil die Ereignisse weit zurück liegen und vieles "an Orten passiert ist, die ihnen fremd sind". Der Bundesratspräsident dankte in diesem Zusammenhang Lehrerinnen und Lehrern insbesondere in den Bundesländern für die "Vermittlung von Geschichte und Bemühen um Erinnerung und Gedenken." Positiv erwähnte Kritzinger hier auch die Demokratie-Werkstatt des Parlaments.

Aufforderung zum Engagement: "Wer etwas bewegen will, muss auch selbst etwas tun"

Ausführlich befasste sich der Bundesratspräsident mit dem "Lernen aus der Geschichte": Dies könne "unser Einfühlungsvermögen schärfen und Aufmerksamkeit für die Entwicklungen der Zeit wecken - Sich einmischen und nicht wegsehen, was rund um uns passiert." Kritzinger forderte "tatkräftiges Engagement für die Verwirklichung und Stärkung der Demokratie": "Wir alle sind gefordert, in dem Durcheinander von Meinungen in der heutigen Zeit klare Stellung für die Demokratie zu beziehen. Wer etwas bewegen will, muss auch selbst etwas tun. Sich engagieren - darauf kommt es in einer Demokratie an." Österreich sei mehr als eine Verwaltungseinheit oder eine Region der EU:
"Bewährungsfeld für Freiheit und Menschenwürde".

"Man muss die Sprache des Staates, in dem man lebt, lernen"

Der Bundesratspräsident strich weiters hervor, dass "der Anschluss nicht nur in Wien stattgefunden hat und dass die Nazis nicht nur gleichsam von draußen kamen." Kritzinger befasste sich dann mit der Sprache als "Grundlage für das geschichtliche Verständnis" und überhaupt für das Verstehen eines Landes: Er als Südtirolerkind habe deutsch nur zu Hause gelernt und gesprochen, in der Schule war italienisch Lern- und Arbeitssprache: "Wir haben das hingenommen, denn man muss die Sprache des Staates, in dem man lebt, lernen." "Dasselbe, nicht mehr und nicht weniger" erwarte er auch "von allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die hier geboren oder freiwillig nach Österreich gekommen sind."
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