Bundeskanzler Gusenbauer erinnert an den Anschluss: "Eine demokratische Gesellschaft ist immun gegen Totalitarismus"

Wien (OTS) - Bundeskanzler Alfred Gusenbauer erinnerte heute an
den Anschluss Österreichs vor 70 Jahren. Die darauf folgende Herrschaft der nationalsozialistischen Diktatur und die Auslöschung der Souveränität Österreichs waren der Auftakt zum 2. Weltkrieg und brachten Verfolgung, millionenfaches Leid und Ausbeutung.

"Mit dem Anschluss heute vor 70 Jahren verschwand Österreich von der Landkarte. Der Anschluss traf allerdings ein Land, das längst keine Demokratie mehr war. Die innere Zerrissenheit Österreichs, bewaffnete Auseinandersetzungen, die Ausschaltung der Demokratie und die Errichtung einer autoritären Diktatur brachten Österreich in eine außerordentlich bedrängte Situation gegenüber dem nationalsozialistischen Deutschland. Die hohe Arbeitslosigkeit und die prekäre ökonomische Situation führten letztlich zur weitgehend widerstandslosen Preisgabe Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich", so Gusenbauer.

Die tiefe innere Zerrissenheit der 1. Republik sei nach den schrecklichen Erfahrungen des Nationalsozialismus überwunden worden. "Das gesamte politische Handeln nach 1945 muss sich daher als Antithese zum nationalsozialistischen Verbrechensregime verstehen. Es geht darum, trotz politisch unterschiedlicher Auffassungen ein Miteinander zu finden und gemeinsame Ziele vor Augen zu haben. Es geht darum, die soziale Balance, die unser Land über Jahrzehnte ausgezeichnet hat, zu achten und allen Gesellschaftsschichten eine gleichberechtigte Teilhabe am Wohlstand unseres Landes zu sichern. Nur eine offene, demokratische Gesellschaft, die allen Bürgerinnen und Bürgern die gleichen Chancen einräumt, wird gegenüber allen Versuchungen des Totalitarismus immun sein", so der Bundeskanzler.

Gusenbauer erinnerte daran, dass viele Österreicherinnen und Österreicher den Anschluss begrüßten. Viele nahmen aktiv an den Verbrechen des Nationalsozialismus teil. "Viel zu lange hat sich Österreich ausschließlich in der Rolle des Opfers gesehen und dabei die Mitwirkung einzelner Österreicherinnen und Österreicher außer acht gelassen", so Gusenbauer. Erst durch die Erklärung des früheren Bundeskanzlers Franz Vranitzky und durch den Besuch von Alt-Bundespräsident Thomas Klestil in Israel erfolgte die Anerkennung der Verantwortung der Republik Österreich für nationalsozialistische Verbrechen. Diese mündete in die Schaffung des Nationalfonds und des allgemeinen Entschädigungsfonds. "Diese Schritte der Milderung des nicht wieder gut zu Machenden sind noch nicht abgeschlossen und sind eine bleibende Herausforderung", so Gusenbauer.

Der Ministerrat hat nicht zuletzt deshalb heute die Errichtung des Wiesenthal-Instituts beschlossen. "Auf der Basis des Archivs von Simon Wiesenthal wird dieses Institut einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung der Ursachen und Folgen des Holocaust leisten. Es wird einen Anteil daran haben, dass das Wissen um den Holocaust niemals verloren gehen wird", so der Bundeskanzler abschließend.

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