"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Lebensmüde Touristen" (Von Frank STAUD)

Ausgabe vom 12. März 2008

Innsbruck (OTS) - Nach der Entführung von zwei Salzburger
Touristen im Norden Afrikas sorgen sich natürlich viele ÖsterreicherInnen um deren Gesundheit. Auf diplomatischer Ebene laufen die Bemühungen auf Hochtouren, die beiden Landsleute freizubekommen.

Aus vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit besteht berechtigte Hoffnung, dass die Entführten mit dem Schrecken davonkommen und unbeschadet in die Heimat zurückkehren. Das ist dem Salzburger Paar von ganzem Herzen zu wünschen.

Aus nachvollziehbaren Gründen lösen solche Fälle aber auch Grundsatzdiskussionen aus. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, warum sich Menschen wiederholt in ihrem Urlaub freiwillig in Lebensgefahr begeben. Somit bleibt der Allgemeinheit gar nichts anderes übrig, als für das Hasardspiel anderer zu büßen bzw. zu bezahlen.

Dass die Grenzregion zwischen Algerien und Tunesien kein Urlaubsort für Pauschalreisetouristen ist, dürfte bekannt sein. Nicht zum ersten Mal werden Touristen dort für politische bzw. terroristische Zwecke missbraucht. Daher hält sich bei aller Sorge um die Entführungsopfer das Mitleid in Grenzen.

Ähnlich verhält es sich mit vielen Gästen in Tirol. Die vielen freiwilligen Helfer in unserem Land können ein Lied davon singen. Praktisch jedes Wochenende ignorieren Skitourengeher und Variantenfahrer die Lawinenwarnungen und suchen den Nervenkitzel. Sie setzen dadurch nicht nur das eigene Leben aufs Spiel, sondern auch das der Retter. Hier wären Konsequenzen längst angebracht. Saftige Bußgelder wären ein erster logischer Schritt.

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