Gusenbauer: "Große Freude über Nachdenklichkeitsausstellung in der Staatsoper"

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer eröffnete die Ausstellung "Opfer, Täter, Zuschauer - 70 Jahre danach" in der Wiener Staatsoper

Wien (OTS) - "Nachdem noch immer sehr viele Institutionen hoffen, unentdeckt durch die Gedenkjahre zu kommen, begrüße ich es außerordentlich, dass die Wiener Staatsoper bereit war, sich mit ihrer Geschichte auseinander zu setzen.", eröffnete Kanzler Gusenbauer. Dies hätten die Verantwortlichen der Oper in dem Bewusstsein getan, dass es schmerzhaft sein würde. Denn auch die Staatsoper wäre Teil des NS-Regimes gewesen, und "kein Refugium, wenn auch teilweise Solidarität mit den verfolgten Mitgliedern versucht und geübt wurde."

Die Staatsoper sei nach dem Krieg schnell das zentrale Identifikationsgebäude der wiedererstandenen Republik Österreich geworden, betonte der Bundeskanzler. "In der Zeit der österreichischen Wiedererfindung hat man das Haus als Opfer des totalen Krieges gesehen und nicht gerne in eigenen Wunden gewühlt. Die Oper war vielmehr ein Wundpflaster." Doch schon vor den Bomben der Alliierten sei das Haus ausgebrannt. Schon vorher sei die Vertreibung der Künstler, der Mitarbeiter wie großer Teile des Publikums aus der Oper geschehen.

"Viele sahen den Aderlass als individuelle Karrierechance. Mit dem Trugbild der Normalität der Nachkriegszeit blieb nicht nur der Eiserne Vorhang, auch einige Karrieren setzten sich nahtlos fort.", gab Gusenbauer zu bedenken.

Dass die Staatoper nun "diese Ausstellung der Nachdenklichkeit initiierte, ist mir eine große Freude. Ich hoffe, sie wird auch viele zur Nachdenklichkeit anregen können." sagte Kanzler Gusenbauer abschließend

Staatsoperndirektor Joan Hollaender sprach von einem "außerordentlichen Tag in diesem Haus", dankte den Ausstellungsmachern - allen voran Professor Oliver Rathkolb und den Brüdern Làng - und sah es "als ganz besonderes Zeichen, dass Bundeskanzler Gusenbauer persönlich zu uns gefunden hat, um die Eröffnung vorzunehmen." Es solle aber durch diese Ausstellung niemand persönlich beschuldigt werden, "wir wollen nur Licht in das Dunkel der Geschichte bringen."

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