Je weiter man in die Vergangenheit blickt, desto besser kennt man die Zukunft!

Bilanz des 16. Hindels-Symposiums der Wiener SPÖ-Bildung zum Gedenkjahr 2008

Wien (SPW) - "Aus der aktiven Auseinandersetzung mit der Vergangenheit lassen sich wichtige Lehren für das Hier und Jetzt gewinnen. Das hat bereits Winston Churchill auf den Punkt gebracht:
‚Je weiter man in die Vergangenheit blickt, desto besser kennt man die Zukunft.’ Und 2008 ist ein Jahr, das viel Gelegenheit gibt, sich zu erinnern: Vor 70 Jahren fand der ‚Anschluss’ an Hitler-Deutschland statt. Und immer wieder gilt es auf’s Neue zu hinterfragen, wie konnte es dazu kommen und was bedeutet dieses Ereignis für uns heute?", betonte der Wiener SPÖ Bildungssekretär Marcus Schober am Samstag anlässlich des zu Ende gegangenen 16. Hindels-Symposiums, einer gemeinsamen Veranstaltung der Wiener SPÖ-Bildung und des Bundes Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer im Wiener SPÖ-Bildungszentrum. "Diese gelungene Veranstaltung hat einmal mehr gezeigt, wie viel Interesse an dieser wichtigen Thematik besteht. Es gilt die Auseinandersetzung weiterzuführen, getreu der Devise ‚Niemals vergessen!’," so Schober weiter.****

Als Auftakt des Symposiums am Freitagabend hatte Univ. Prof. Rudolf Kropf einen breiten Überblick über den "Weg zum März 1938" gegeben. Als Wegmarken nannte er die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Finanzkrise von 1929, mangelndes Vertrauen in die Überlebensfähigkeit des "kleinen" Österreich, die Ausschaltung des demokratischen Parlamentarismus durch Engelbert Dollfuss, die innenpolitische Gewaltspirale, die im Bürgerkrieg von 1934 ihren Höhepunkt erreichte sowie das Scheitern des Ständestaats als "Konkurrenzfaschismus".

Am Samstagvormittag stand die Frage einer zeitgemäßen Erinnerungskultur im Vordergrund. Univ. Doz. Siegfried Mattl zeichnete in seinem Beitrag die Verschiebungen nach, die sich in der Frage des Umgangs mit Nationalsozialismus in Bezug auf die Sozialdemokratie ergeben haben. Noch in den frühen 1970er Jahren standen gemeinschaftsstiftende "Gedenkrituale" im Vordergrund, die in eine Umgebungskultur gelebter Traditionen eingebunden waren. Infolge der aufkommenden Skepsis gegenüber ritualisierten Gemeinschaften und der Etablierung des Fernsehens als eigener Akteur habe sich jedoch ein grundsätzlicher Wandel vollzogen - mitbedingt durch ein geändertes Verhältnis zur Geschichte: Diese wurde ab Mitte der 1980er Jahre zunehmend als "katastrophaler Prozess" wahrgenommen, ohne die Möglichkeit Handlungsanleitung zu geben, weshalb dem "Niemals wieder" auch ein bewahrendes Moment innewohne: Große Veränderungen seien zu unterlassen, weil diese das Potential totalitärer Entwicklungen in sich trügen.

"Es gibt Traditionen, die gelebt werden müssen", unterstrich der Wiener SPÖ-Gemeinderat Harald Troch anschließend und betonte die Wichtigkeit der Vermittlung von Geschichte und nachhaltiger Erinnerungsarbeit. Diese wirke sinn- und identitätsstiftend und sei darüber hinaus Teil des demokratischen und antifaschistischen Grundverständnisses. "Wie soll ich den Weg in die Zukunft bestimmen, ohne den Kompass historischer Erinnerung?", fragte Troch und hielt fest, dass das "Verschwinden" der Zeitzeugen - nur mehr 20 Prozent der Bevölkerung haben die Periode des Nationalsozialismus bewusst erlebt - neue Anforderungen an die Bildungsarbeit stelle: Es sei notwendig, gerade auf die junge Generation einzugehen: Durch eine Verbindung aus aufklärender Ursachen- und Motivforschung, emotionaler Einbindung und dialogisierter Auseinandersetzung.
Den Abschluss des 16. Hindels-Symposium bildete eine spannende Diskussion mit reger Publikumsbeteiligung.

Zur Info: Das Hindels-Symposium findet seit 1993 in Erinnerung an den bedeutenden Publizisten und Gewerkschaftsfunktionär Dr. Josef Hindels (1916-1990) statt und setzt sich zur Aufgabe, aktuelle Themen zukunftorientiert zu diskutieren.
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