"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Wer erlöst die Österreicher" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 7./8. März 2008

Wien (OTS) - Die Neuauflage der großen Koalition Anfang 2007 war ein vorprogrammierter Rohrkrepierer. Zwei Partner, die sich durch verschiedenste gegenseitige Verletzungen aus der Vergangenheit nicht einmal mehr riechen konnten, waren durch das Wahlergebnis gezwungen, einen Koalitionspakt zu schmieden. Den Kanzler stellt seither die vom Wahlausgang wohl selbst am meisten überraschte SPÖ, der Inhalt des Koalitionspakts trägt vor allem die Handschrift der über den Ausgang lange beleidigt wirkenden ÖVP.
Seither mussten die Österreicher 400 Tage pausenlose Streitereien und einige völlig wirkungslos verpuffte Besserungs-Gelöbnisse über sich ergehen lassen. Das heurige restliche Jahr ist absehbar: Alles würde nur noch ärger. Dafür sorgen schon der von der SPÖ zusammen mit der Opposition gegen die ÖVP beschlossene Untersuchungs-Ausschuss zur Innenministeriums-Affäre sowie der Zank über eine Steuerreform 2009 oder 2010.
Abseits taktischer Geplänkel, ob die VP jetzt die Niederösterreich-Wahl gewinnt und sich Rückenwind erhofft oder ob sich die SP durch Steuerzuckerl und U-Ausschuss im Aufwind oder gar als Lenker einer Minderheitsregierung sieht: Rot-Schwarz sollten dem Schrecken ein Ende bereiten und endlich die Reißleine ziehen. Oder um mit Star-Fußballtrainer Giovanni Trappatoni zu sprechen: Diese Koalition hat fertig. Möglichst rasche Neuwahlen sind der für die Bürger einzig gangbare Weg. Wenn auch beide Großparteien danach um einiges kleiner dastehen dürften. Und dieser Umstand scheint der letzte verbliebene Kitt für ein Weiterwursteln zu sein.

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