Scheele: Möglichkeiten des Reformvertrags für Frauen nützen

Scheele und Prets prangern Ungleichheiten in Einkommen und Beschäftigung an

Wien (SK) - "Für mich ist es wichtig, die Möglichkeiten des Reformvertrages für Frauen zu nützen", bemerkte die Leiterin der SPÖ-Delegation im Europäischen Parlament, Karin Scheele, am Freitag im Rahmen einer gemeinsamen Pressekonferenz der fünf weiblichen EU-Abgeordneten anlässlich des Weltfrauentages. Scheele verwies auf das neue Instrument des Bürgerbegehrens, "mit einer Million Unterschriften kann man einiges bewegen", nun müsse man versuchen, gemeinsam mit Frauenorganisationen dieses Instrument zu nützen, um auf Diskriminierungen von Frauen vor allem bei Einkommen und Beschäftigung hinzuweisen. ****

"Die Ursprünge des Frauentages gehen zurück auf die Forderungen der arbeitenden Frauen in den USA und in Europa", erläuterte Scheele. Für sie sei die Frage der Beschäftigung ein Hauptanliegen, so die EU-Abgeordnete. Zwischen 2000 und 2007 habe es bei der Frauenbeschäftigung einen Anstieg um 3,6 Prozent in der EU gegeben, "wenn wir uns allerdings die Qualität der Beschäftigung anschauen, dann haben wir wenig erreicht", denn "die Teilzeit geht noch immer zu Lasten der Frauen".

Zur Situation der Frauen im europäischen Parlament bemerkte Scheele, dass seit den ersten Direktwahlen zum europäischen Parlament 1979 einiges passiert sei. Derzeit seien 31 Prozent der Abgeordneten weiblich, man liege mit dieser Zahl über dem Durchschnitt der nationalen Parlamente in der EU. Wenn man allerdings bedenke, so die Delegationsleiterin, dass 51 Prozent der EU-Bevölkerung weiblich seien, "dann haben wir noch viel zu tun".

Prets: Im Jahr des interkulturellen Dialogs auch Gewaltakte ansprechen

"Wir haben Gesetze und Richtlinien. Wir haben eine Gleichstellungsrichtlinie, ein Antidiskriminierungsgesetz und es gibt sogar eine Richtlinie zur Lohngleichbehandlung", bemerkte die SPÖ-EU-Abgeordnete Christa Prets. Trotz allem gebe es noch viele Ungerechtigkeiten, vor allem in Fragen der Beschäftigung seien Ungleichheiten nicht ausgeräumt. "Wir Frauen haben weniger in der aktiven Zeit und dann haben wir weniger in der passiven Zeit", so Prets. "Frauen haben es noch immer schwerer als Männer."

"Was uns nicht gelungen ist, ist Frauen in der Berufswelt gleich zu positionieren wie Männer", so Prets. In der Produktion liege der Frauenanteil bei 65 Prozent, in der Wissenschaft bei 29 Prozent, bei Informations- und Kommunikationstechnologie lediglich bei 15 Prozent, führte Prets aus. Sie forderte, dass endlich dafür gesorgt werden müsse, dass Mädchen nicht nur die typischen Frauenberufe ergreifen.

Zum Thema Gewalt gegen Frauen bemerkte Prets, dass sich hier der Bogen von Frauenhandel bis hin zu Stalking spannen lasse. Österreich sei mit seinen Gewaltschutzgesetzen vorbildhaft in Europa, das Wegweiserecht sei von anderen Staaten kopiert worden und auch mit dem neuen Anti-Stalking-Gesetz setze man Maßstäbe in Europa. Ein wichtiger Bereich der Gewalt gegen Frauen sei auch die Zwangsehe, dies sei "ein brutaler Akt der Gewalt", der sich das ganze Leben lang durchziehe. Gerade im europäischen Jahr des interkulturellen Dialogs müsse man sich der Verhinderung von Zwangsehen annehmen und es sei Konsens in der EU, dass man keine Gewaltakte tolerieren könne, auch wenn sie mit Religion und Kultur begründet werden.

Ebenfalls wichtig sei, so Prets, mehr Frauen in das Krisenmanagement von internationalen Konflikten zu bringen. Die Opfer seien meist Frauen, auf der politischen Ebene und Krisenmanagement würden sie aber fehlen. "Wären mehr Frauen im Krisenmanagement, dann würden viele Konfliktszenarien anders aussehen", zeigte sich Prets überzeugt. (Schluss) sw

Rückfragen & Kontakt:

SPÖ-Bundesorganisation, Pressedienst, Tel.: 01/53427-275,
Löwelstraße 18, 1014 Wien, http://www.spoe.at/online/page.php?P=100493

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | SPK0005