AK: Klarer Nährwert ist mehr wert!

EU-Vorschlag zur Nährwertkennzeichnung ist wirtschaftsfreundlich, aber nicht konsumentenfreundlich

Wien (OTS) - Die EU will die Nährwertkennzeichnung für Lebensmittel neu regeln und hat dazu Ende Jänner einen Verordnungsentwurf veröffentlicht. Die AK sieht in den Vorschlägen die jahrelange Forderung nach ausreichenden, klaren und leicht verständlichen Nährwertinformationen nicht erfüllt. "Positiv ist, dass Nährwertinformationen Pflicht werden. Sie sollen vorne auf den Packungen stehen. Also Informationen über Kalorien, Fett, gesättigte Fette, Zucker und Salz, alles das, was heute gerne versteckt wird", sagt AK Expertin Petra Lehner. Klingt gut, aber der Teufel liegt im Detail, denn ein von der Lebensmittelindustrie entwickeltes Zahlen-Prozent-Modell soll kommen, das fast doppelt so viel Zucker erlaubt wie Ernährungwissenschafter für gut befinden. Auch beim Fett wird ein Auge zugedrückt. Der Vorschlag kommt jetzt ins EU-Parlament. Die AK verlangt Nachbesserungen.

Die von der EU vorgesehene Nährwertkennzeichnung soll sich aus Zahlen und Prozenten zusammensetzen. Weder Farben noch Symbole sind vorgesehen. Studien zeigen aber, dass farbige Symbolsysteme KonsumentInnen am Besten verstehen. Die AK will daher ein Ampelsystem - rot für viel, gelb für mittel, grün für wenig Zucker, Fett und Salz. "So macht ein Blick klar, ob Dick- oder Fitmacher", so die Ernährungsexpertin.

Die EU Kommission hat scheinbar das von der Wirtschaft vorgeschlagene Modell unkritisch übernommen. Seit einiger Zeit verwenden große Lebensmittelkonzerne wie Coca Cola oder Nestle freiwillig das Zahlen-Prozent-Modell, die sogenannte GDA-Kennzeichnung. Sie gibt vorne am Produkt Kalorien, Fett, gesättigte Fette, Zucker und Salz in Gramm pro 100 Gramm oder pro Portion an und setzt das in Beziehung zu einem fiktiven Richtwert. Am Packerl steht dann "deckt xx Prozent der Tagesempfehlung". Das Modell hat drei gravierende Schwächen: Erstens passen die Referenzmengen nicht. Beim Zucker ist fast doppelt so viel erlaubt, wie gut ist, auch beim Fett wird mehr toleriert. Ein Konsument wird mit 2.000 Kalorien Energiebedarf definiert. Damit sind die Prozente für Kinder und ältere Menschen falsch. Zweitens zeigte ein holländischer Test, dass jeder Zweite glaubt, man müsse die 100 Prozent erreichen. Tatsächlich ist es aber umso besser, je weiter man darunter bleibt. Drittens können sich die Hersteller aussuchen, ob sie je 100 Gramm oder je Portion kennzeichnen. Unrealistisch kleine Portionen sind zu befürchten, und ein Vergleich von Produkten untereinander wird schwieriger.

Der EU-Vorschlag erlaubt nationale zusätzliche Darstellungsformen. Ampeln in Österreich würden also gehen, wenn das Gesundheitsministerium das will, aber Prozente müssten hineingebracht werden. "Einerseits ist dieser Spielraum okay, anderseits bringt das mittelfristig viele Systeme nebeneinander", beanstandet Lehner. Zudem entwertet sich der Vorschlag selbst, da er per Durchführungsverordnung von der Kommission rasch abänderbar ist. "Alles, was drinnen steht, gilt nur so lange, wie das die Kommission will", kritisiert Lehner. Übrigens: In England gibt es das Ampelsystem, und es läuft gut.

SERVICE: AK Position und Ampelkarte zum Download unter www.arbeiterkammer.at

Rückfragen & Kontakt:

Doris Strecker
AK Wien Kommunikation
tel.: (+43-1) 501 65-2677
tel.: (+43)664 845 41 52
doris.strecker@akwien.at
wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKW0002