"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Mit Volldampf aufs Abstellgleis" (Von Kurt Horwitz)

Wien (OTS) - Schluss mit lustig, befand der Pressesprecher des
Herrn Generaldirektor, als die Fragen unangenehm zu werden drohten. Und: "Brav ans Thema halten."
Was wie ein Scherz klingt, war durchaus Ernst gemeint. Das Thema: Der Erwerb der ungarischen Güterbahnen durch die Österreichischen Bundesbahnen. Der Generaldirektor: ÖBB-Chef Martin Huber. Ort der Handlung: Ein Restaurant in der Wiener Innenstadt, in das die ÖBB zu einem Hintergrundgespräch geladen hatten. Aber eben nur über Themen, die dem Chef ins Konzept passen.
Nicht genehm sind unter anderem Fragen zu überhöhten Gagen der ÖBB-Manager, zu verlustträchtigen Finanztransaktionen und zu den Immobiliendeals der Gattin des Herrn Generaldirektors.
Die Aversion ist verständlich, obwohl nicht jeder Spitzenmanager in ähnlichen Situationen gleich die Nerven wegwirft. Das in Chefgagen üblicherweise enthaltene Schmerzensgeld ist ja gerade im konkreten Fall recht beträchtlich.
Laut jüngstem Rechnungshofbericht haben 2006 mehr als ein Dutzend Eisenbahn-Manager höhere Gagen bezogen als der Bundeskanzler. Den Prüfern ist dabei übel aufgestoßen, dass es "in zeitlich auffälligem Zusammenhang mit der Bilanzerstellung gezielte Maßnahmen zur Gewinnsteigerung der Muttergesellschaft gegeben" habe. Das schlägt sich in Bonuszahlungen an die Topmanager nieder.
Was im Jahr 2005 abgeschlossene Finanztransaktionen anlangt, die den ÖBB zwar nicht einmal Erträge in Höhe durchschnittlicher Sparbuchzinsen, dafür aber Verluste von mehr als 150 Millionen Euro eintragen könnten, zeigt sich Huber geläutert: "Würde mir das Geschäft heute vorgelegt, würde ich es nicht genehmigen."
Schuld sind jedoch andere: "Das Geschäft wurde mir nicht vorgelegt", und noch bestehe ja die Hoffnung, dass "am Ende der Laufzeit 2015 keine Verluste entstehen werden". Ein feiner Betrieb, in dem der Generaldirektor erst viel zu spät von riskanten Finanztransaktionen über mehr als 500 Millionen Euro informiert wird.
Damit nicht genug: Im Zuge des Kaufs der ungarischen Güterverkehrsgesellschaft wurden 7,1 Millionen Euro an eine dortige Lobbying-Agentur bezahlt. Und die Frau des Generaldirektors macht lukrative Immobiliengeschäfte mit einem Geschäftspartner der ÖBB. Beides will Huber nicht kommentieren.
Da kann es keinen Zweifel mehr geben. Der Pressesprecher hat Recht:
"Schluss mit lustig", und zwar je eher, desto besser. Huber dürfte zu den seltenen Fällen gehören, in denen eine Abfindung fürs vorzeitige Ausscheiden gut zu rechtfertigen wäre. Den ÖBB-Chef bis zum Auslaufen des Vertrags im Jahr 2009 im Amt und die Eisenbahn mit Volldampf aufs Abstellgleis donnern zu lassen, käme teurer.
Mit der derzeitigen Siemens-Chefin Brigitte Ederer stünde zudem eine Alternative zur Verfügung. Dass sie nicht nur kompetent ist, sondern auch das gut zur ÖBB passende rote Parteibuch hat und das Vertrauen des mächtigen Obergewerkschafters Wilhelm Haberzettl genießt, ist fast schon zu viel der Perfektion. Da bekäme vielleicht sogar die ÖVP Hemmungen, sich querzulegen.

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