AK Studie Frauen in Führungspositionen: Wirtschaft bleibt fest in Männerhand

Wien (OTS) - "In den Chefetagen ist die Luft für Frauen immer noch dünn. Von Gleichberechtigung kann keine Rede sein", sagt Ruth Naderer, Studienautorin in der AK Wien. Eine Studie der betriebswirtschaftlichen Abteilung der AK hat untersucht, wie viele Frauen in Führungspositionen in österreichischen Unternehmen vertreten sind. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Von 626 GeschäftsführerInnen sind gerade einmal 29 Frauen. In den Aufsichtsräten ist es ähnlich: Nur neun Prozent Frauen finden sich in den Führungsetagen. "An der Ausbildung kann es nicht liegen. Mehr als die Hälfte der Wirtschafts- oder JusabsolventInnen sind Frauen. An der Spitze der Unternehmen in Österreich haben trotzdem noch immer fast ausschließlich die Männer das Sagen. Auch in Österreichs Wirtschaft sollte sich endlich die demografische Wirklichkeit widerspiegeln", sagt Naderer und fordert Möglichkeiten um die Chancen von Frauen zu verbessern. Dazu zählen etwa verbindliche Regeln, die eine schrittweise Einführung von Quoten vorschreiben. Parallel dazu soll ein Netzwerk aufgebaut werden, damit auch genügend Frauen für die Spitzenpositionen zur Verfügung stehen.

Die AK Wien untersuchte den Anteil von Frauen in Führungspositionen der Top 200 österreichischen Unternehmen anhand des Firmenbuchs (Stand Februar 2008). In den untersuchten Unternehmen sind insgesamt 626 GeschäftführerInnen und 1.543 AufsichtsrätInnen tätig.

Kein Fortschritt erkennbar
Sowohl die Frauenanteile in der Geschäftsführung als auch im Aufsichtsrat stagnieren und zeigen keine Verbesserungen gegenüber früheren Untersuchungen. In der Geschäftsführung sind 29 Frauen von insgesamt 626 GeschäftsführerInnen tätig. Der Frauneanteil liegt bei nur 4,6 Prozent, in den Aufsichtsräten entfielen 9 Prozent der Mandate auf Frauen. Damit ist die Frauenquote noch immer sehr bescheiden. Der Frauenanteil in den Toppositionen ist in den Sektoren Handel, Dienstleistung und Banken/Versicherungen am höchsten. Die Industrie liegt mit drei Prozent in der Geschäftsführung und nicht ganz 5 Prozent im Aufsichtsrat weit unter dem Durchschnitt von 4,6 bzw neuen Prozent. Nur in 15 der 200 größten österreichischen Unternehmen ist in beiden Gremien zumindest eine Frau vertreten. In Österreich gibt es nur ein Unternehmen mit einer rein weiblichen Geschäftsführung.

Vorbild Skandinavien
Mit diesen Zahlen bewegt sich Österreich im europäischen Durchschnitt, liegt aber weit hinter den skandinavischen Ländern zurück. Norwegen hat als erstes europäisches Land eine gesetzliche Regelung betreffend einer 40 prozentigen Frauenquote in Unternehmen eingeführt. Das Gesetz ist 2006 in Kraft getreten, derzeit liegt der Frauenanteil in den norwegischen Verwaltungsräten bei über 36 Prozent. In Schweden liegt der Frauenanteil in den Verwaltungsräten bei knapp 23 Prozent, angestrebt werden 33,3 Prozent. Dort liegt zwar eine verbindliche Quotenregelung derzeit auf Eis, zahlreiche begleitende Maßnahmen wurden aber bereits umgesetzt, etwa eine entsprechende Empfehlung im schwedischen Corporate Governance Kodex.

Wie ausländische Beispiele zeigen, braucht es eine Reihe von parallelen Maßnahmen, um die Präsenz von Frauen in den Aufsichts- bzw Verwaltungsräten von Unternehmen zu erhöhen. Als besonders wirksames Instrument erweisen sich verbindliche, gesetzliche Regeln. In einer Reihe von Staaten (Norwegen, Spanien, Schweiz, Schweden, Frankreich, Finnland, Dänemark) sind Geschlechterquoten bereits in Kraft bzw geplant. Die Quotenregelung reicht dabei von 20 bis 40 Prozent. Daneben bieten sich noch andere Maßnahmen ergänzend an, wie etwa Sanktionen bei Nichteinhaltung, entsprechende Regelungen im Corporate Governance Kodex, der Aufbau von Datenbanken für ein Pool an kompetenten, hochqualifizierten Frauen, Frauennetzwerke oder Metoring Programme.

Service: Die gesamte Untersuchung finden Sie auf http://wien.arbeiterkammer.at

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