Verkettungsverfahren in der BIP-Quartalsrechnung und ihr Einfluss auf die Konjunkturanalyse

Wien (WIFO) - Im Jahr 2005 wurde die Volumensberechnung in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der EU-Länder von einer Fixpreisbasis auf eine laufende Preisbasis umgestellt. Nach der Preisbereinigung ist deshalb nur mehr ein Vergleich mit der unmittelbar vorangegangenen Periode möglich. Während dies die Aussagekraft von Veränderungsraten verbessert, können preisbereinigte Zeitreihen in Absolutwerten nur mehr durch Verkettung der Veränderungsraten (chain-linking) gebildet werden. In der Jahresrechnung ist die Vorgangsweise hier eindeutig, hingegen stehen für die Quartalsrechnung drei Verkettungsverfahren zur Verfügung: das Quarterly-Overlap-Verfahren (QO), das Annual-Overlap-Verfahren (AO) und das Over-the-Year-Verfahren. Obwohl sie jeweils unterschiedliche Ergebnisse und Zeitreiheneigenschaften liefern, steht es den Mitgliedsländern frei, welches sie anwenden. Die resultierenden Veränderungsraten gegenüber dem Vorquartal, welche die Grundlage der Konjunkturanalyse bilden, sind in der Folge nur eingeschränkt vergleichbar.

Das WIFO untersuchte die Auswirkungen dieser drei unterschiedlichen Verkettungsverfahren auf die Schätzung von Zeitreihenmodellen, wie sie u. a. zur Saisonbereinigung verwendet werden, und auf die Datierung von Konjunkturwendepunkten. Das Quarterly-Overlap-Verfahren weist demnach die besten Zeitreiheneigenschaften auf: Im Gegensatz zu den beiden anderen Ansätzen entstehen nicht jeweils zu Jahresbeginn methodisch bedingte Brüche in der Reihe. Die Summe der Quartalswerte entspricht aber nicht den getrennt verketteten Jahreswerten: Deshalb wurde auf der Grundlage der QO-verketteten Reihe eine vierte Reihe gebildet, welche diese Eigenschaft aufweist (B-QO).

Das QO-Verfahren liefert die besten Ergebnisse und erkennt auch Konjunkturwendepunkte, welche von den anderen Verfahren nicht angezeigt werden, aber international dokumentiert sind.

Die Unterschiede zwischen den Reihen, die mit dem in Österreich angewandten B-QO-Verfahren verkettet wurden, und jenen mit dem von der Mehrheit der anderen EU-Länder verwendeten AO-Verfahren waren hingegen marginal.

Übersicht 1: Wendepunktanalyse - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 2/2008
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=31384&typeid=8&
display_mode=2)!

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Dr. Marcus Scheiblecker
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